https://www.faz.net/-gq5-7v70q

Ehemalige jugoslawische Geheimagenten : Alte Seilschaften und ein Mord

  • -Aktualisiert am

Erst verjagt, dann in Deutschland ermordet: Exilkroaten bei der Beisetzung Đurekovićs auf dem Münchner Waldfriedhof im August 1983 Bild: Picture-Alliance

In München wird zwei Mitarbeitern der früheren jugoslawischen Geheimdienste der Prozess gemacht. Sie sollen die Drahtzieher eines Verbrechens gewesen sein. Einer von ihnen könnte nun auspacken.

          5 Min.

          Zwei ungewöhnliche Angeklagte werden an diesem Freitag in den Saal 101 des Münchner Strafjustizzentrums geführt. Zdravko Mustač und Josip Perković hatten vor dem Zerfall Jugoslawiens führende Positionen in den Geheimdiensten des kommunistischen Staates inne. Perković stieg später in Kroatien sogar bis zum stellvertretenden Verteidigungsminister auf. Beide verfügen immer noch über beste Beziehungen in staatliche Machtapparate; erst auf beträchtlichen Druck der EU, die dem Neumitglied Kroatien mit Sanktionen drohte, wurden sie in diesem Jahr an Deutschland überstellt. Die Bundesanwaltschaft hält sie für die Drahtzieher bei der Ermordung des kroatischen Dissidenten Stjepan Ðureković, der im Juli 1983 in einer Garage in Wolfratshausen von drei Agenten getötet wurde.

          Mustač, der jetzt 72 Jahre alt ist, und Josip Perković, 69 Jahre alt, müssen sich vor dem 7. Strafsenat des Oberlandesgerichts München wegen des Vorwurfs der Beihilfe verantworten. Es ist nicht das erste Mal, dass sich das Gericht mit der Tat in Wolfratshausen befasst. Im Juli 2008 verurteilte sein 6. Strafsenat einen früheren Agenten der jugoslawischen Geheimdienste zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe, weil er an der Planung und Vorbereitung des Verbrechens beteiligt gewesen sei. In der nüchternen Sprache der Juristen kam der 6. Strafsenat zu Feststellungen, die der Phantasie eines Verfassers von Spionagethrillern entsprungen schienen. Nach Überzeugung des Gerichts stand hinter der Ermordung Ðurekovićs weniger ein politisches als ein persönliches Motiv eines hohen jugoslawischen Funktionärs, der seinen Sohn vor Strafverfolgung habe schützen wollen. Eine Revision gegen das Urteil verwarf der Bundesgerichtshof.

          Tötung auf jugoslawischem Boden galt als zu riskant

          Ðureković war vor seiner Flucht nach Deutschland Marketing-Direktor eines staatlichen Unternehmens, das Erdöl nach Jugoslawien importierte. Bei diesen Geschäften sollen, so wurde es im Urteil des Jahres 2008 festgehalten, hohe illegale Provisionen geflossen sein - zu einem kleinen Teil an Ðureković, zu einem großen Teil an zwei weitere Manager, darunter einem Sohn des einflussreichen Funktionärs Mika Śpiljak, der von 1983 bis 1984 jugoslawischer Staatspräsident war.

          Mordvorwürfe : Früherer kroatischer Geheimdienstchef in München vor Gericht

          Bei einer internen Untersuchung in Jugoslawien war von „Millionen von Dollar“ die Rede, die auf Auslandskonten verschoben worden seien. Mit Ðureković sollte nach Überzeugung des 6. Strafsenats ein Mitwisser der finanziellen Manipulationen beseitigt werden. Die einschlägigen Passagen in dem Urteil sind eine atemberaubende Lektüre: Mika Śpiljak habe in vertraulichen Gesprächen die Liquidierung Ðurekovićs verlangt - dieser sei der Hauptverantwortliche für die Veruntreuungen.

          Weitere Themen

          Bidens Weg ist jetzt frei Video-Seite öffnen

          Trump leitet Machtübergabe ein : Bidens Weg ist jetzt frei

          Die Leiterin der zuständigen Bundesbehörde GSA schrieb in einen Brief an den gewählten Präsidenten, sie stelle ihm die vorgesehen Ressourcen und Dienste bereit. Sogar Präsident Trump stellte sich dem nicht mehr in den Weg.

          Topmeldungen

          Im Gespräch über Sterbehilfe bei Hart aber fair: Bischof Georg Bätzing, Dr. Susanne Johna, Internistin, Bettina Schöne-Seifert, Professorin für Medizinethik und Olaf Sander.

          TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Sterben als gesellschaftlicher Bedarf

          Der kontroverse Film „Gott“ von Ferndinand von Schirach soll zur Diskussion einladen. Wie wir leben und sterben gilt längst als eine Frage menschlicher Selbstbestimmung. Die Frage ist nur, ob uns die Konsequenzen bewusst sind.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.