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Mord in Moskau : Putins Versprechen an Nemzows Mutter

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Verspricht Aufklärung im Fall Nemzow: Wladimir Putin am 25. Februar in Moskau Bild: dpa

„Hinterhältig“ sei die Bluttat und „zynisch“. Russlands Präsident Wladimir Putin verurteilt den Mord an einem seiner prominentesten Kritiker. Gegenüber der Mutter Boris Nemzows legt er ein öffentliches Versprechen ab.

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          Nach der Erschießung des prominenten Kreml-Kritikers Boris Nemzow hat Russlands Präsident Wladimir Putin versprochen, die Täter zu bestrafen. Es werde alles getan, damit sie und die hinter ihnen stehenden Organisationen des „hinterhältigen und zynischen Mordes“ die Strafe bekämen, die sie verdienten, schrieb Putin in einem am Samstag auf der Website des Kreml veröffentlichten Telegramm an Nemzows Mutter Dina Eidman.

          Der Tod Nemzows sei ein unwiederbringlicher Verlust, so Putin weiter. Der Politiker habe „die Geschichte, das politische und öffentliche Leben Russlands geprägt“. Er habe „immer direkt und ehrlich seine Meinung vertreten“. Ministerpräsident Dimitrij Medwedjew würdigte Nemzow als „Mensch mit Prinzipien“, der „offen und beständig“ für seine Sicht eingetreten sei. Aus dem Kreml wurde der Mord als eine politische „Provokation“ bezeichnet. Die Bluttat habe alle Anzeichen eines Auftragsmordes, sagte Putins Sprecher Dmitrij Peskow.

          Der 55 Jahre alte frühere stellvertrende Ministerpräsident Nemzow war am Freitagabend im Herzen von Moskau auf offener Straße aus einem Auto heraus erschossen worden. Nemzow war einer der prominentesten Kritiker Putins. Die Tat erschütterte die russische Hauptstadt, noch in der Nacht legten zahlreiche Moskauer Blumen an der Brücke nieder.

          Auch international löste der gewaltsame Tod des Oppositionellen Bestürzung aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der amerikanische Präsident Barack Obama riefen die russische Führung dazu auf, den Mordfall rasch und restlos aufzuklären. Botschafter mehrerer EU-Staaten, unter ihnen der Deutsche Rüdiger Freiherr von Fritsch, besuchten am Samstag den Tatort in Moskau. „Dieser hinterhältige und kaltblütige Mord schadet Russland“, sagte von Fritsch am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.

          Großer Trauermarsch am Sonntag

          Am Sonntag (13.00 Uhr MEZ) wollen bis zu 50.000 Menschen im Zentrum von Moskau an einer Trauerkundgebung für den ermordeten Kremlgegner teilnehmen. Darauf hatten sich Oppositionsvertreter am Samstag bei Verhandlungen mit der Stadt geeinigt. Die Initiative ging nach Angaben der Behörden von dem Oppositionsführer und früheren Regierungschef Michail Kasjanow aus. Auf einen ursprünglich für Sonntag geplanten Marsch gegen die Politik von Kremlchef Wladimir Putin verzichtete die Opposition.

          Nach der Trauerkundgebung soll der Sarg mit dem Leichnam des Politikers im Sacharow-Menschenrechtszentrum aufgebahrt werden. Dort sollen die Menschen nach russisch-orthodoxem Brauch am Dienstag Abschied von dem früheren stellvertretenden Regierungschef Abschied nehmen können. Anschließend ist die Beisetzung auf dem Prominentenfriedhof Trojekurowo geplant.

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