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Mord an britischem Soldaten : Polizei nimmt in London zwei weitere Verdächtige fest

  • Aktualisiert am

Die Ermittlungen dauern an: Die Polizei durchsucht Wohnungen in Greenwich Bild: Reuters

Nach dem Mord an einem britischen Soldaten in London hat die Polizei zwei weitere Verdächtige festgenommen. Zudem wurden mehrere Wohnungen durchsucht. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat dauern an.

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          Nach dem Mordanschlag auf einen britischen Soldaten in London hat die Polizei zwei weitere Verdächtige festgenommen. Es handelt um einen Mann und eine Frau im Alter von je 29 Jahren, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. Ihnen wird Beteiligung an einem Mordkomplott vorgeworfen. Die Polizei sprach von einer umfassenden Untersuchung, die noch andauere. Es werde in verschiedene Richtungen ermittelt. Amerikas Präsident Barack Obama verurteilte den Anschlag aufs Schärfste und bekräftigte den Schulterschluss mit Großbritannien im Kampf gegen Extremisten.

          Der Anschlag auf den Soldaten im Londoner Stadtteil Woolwich löste weltweit Entsetzen aus. Nach Berichten von Augenzeugen fuhren die beiden Angreifer ihr Opfer am Mittwochnachmittag zunächst mit einem Auto an, um sich dann mit Fleischerbeil und Messern auf den am Boden liegenden Mann zu stürzen. Dabei versuchten sie offenbar, den Soldaten zu enthaupten. In einem kurz nach der Tat aufgezeichneten Amateurvideo begründete einer der Angreifer sein Handeln mit den Militäreinsätzen in muslimischen Ländern.

          Cameron: Angriff auf Großbritannien

          Premierminister David Cameron rief die britische Bevölkerung auf, sich von der Tat nicht einschüchtern zu lassen. „Wir werden uns niemals dem Terror oder dem Terrorismus beugen - in welcher Form auch immer“, sagte Cameron. Zugleich nahm er die Muslime im Land in Schutz: „Dies war nicht nur ein Angriff auf Großbritannien und unseren Lebensstil, sondern auch ein Verrat am Islam und der muslimischen Gemeinschaft, die so viel für unser Land tut.“

          Nach Angaben aus Sicherheitskreisen sind die beiden Täter britische Staatsbürger mit nigerianischen Wurzeln. Cameron berief eine Krisensitzung seiner Sicherheitsexperten ein, um über die Konsequenzen des Anschlags zu beraten. Cameron räumte ein, dass beide Männer den Geheimdiensten bekannt gewesen seien. Aus Sicherheitskreisen verlautete aber, die Behörden hätten die Verdächtigen als ungefährlich eingestuft.

          Sechs Wohnungen durchsucht

          Die Polizei bestätigte Medienberichte, wonach Ermittler sechs Wohnungen von Verwandten der Attentäter in London und in einem Dorf nahe der ostenglischen Stadt Lincoln durchsuchten. Beide Männer seien offenbar vom Christentum zum Islam konvertiert, hieß es in Zeitungsberichten. Das Opfer trug zum Tatzeitpunkt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Help for Heroes“ (Hilfe für Helden), dem Namen einer Wohltätigkeitsorganisation, die verwundete britische Soldaten unterstützt. Die beiden Täter wurden von der Polizei angeschossen und liegen streng bewacht im Krankenhaus.

          Bei einem der Täter soll es sich Medienberichten zufolge um einen 28 Jahre alten Londoner handeln. Er sei in der Gegend aufgewachsen und besuche eine Universität im nahen Greenwich, hieß es. Der Überfall ereignete sich am Rande der großen Royal-Artillery-Kaserne im Arbeiterviertel Woolwich, das traditionell eng mit der Armee verbunden ist. Dort leben viele Einwanderer, unter ihnen auch Nigerianer. In Nigeria selbst mit seiner gemischten Bevölkerung aus Christen und Muslimen kämpfen die Behörden seit Jahren gegen einen Aufstand radikaler Islamisten. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass die beiden Messer-Attentäter eine Verbindung zu Gruppen in Westafrika hätten, hieß es in nigerianischen Sicherheitskreisen.

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