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Mäßigung statt Zorn : Wie islamische Theologen auf Mohammed-Karikaturen reagieren

Hatte vor neun Jahren Muslime dazu aufgerufen, mit Zorn auf Karikaturen ihres Propheten zu reagieren: der einflussreichste sunnitische Theologe Yusuf al-Qaradawi. Bild: AFP

Auf die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung im Jahr 2006 hatten islamische Theologen zu einem „Tag des Zorns“ aufgerufen. Nach dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“ sind die Reaktionen zurückhaltender.

          Vor neun Jahren, als die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ Mohammed-Karikaturen veröffentlichte, riefen islamische Theologen und Organisationen die Muslime dazu auf, ihrem Zorn freien Lauf zu lassen. Nach dem Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ sind die Reaktionen - trotz einer unveränderten Kritik an der Karikierung Mohammeds - sehr viel zurückhaltender. Wer damals noch Öl ins Feuer gegossen hat, ruft heute zur Mäßigung auf. Der Unterschied zu damals ist, dass der Furor des islamistischen Terrors auch die Muslime entsetzt. Die neuen Karikaturen stehen damit in einem neuen Kontext: Vor neun Jahren sahen sich die Muslime durch die Karikaturen, die sie als Verletzung empfanden, in der Defensive. Heute fühlen auch sie sich durch den Terror bedroht.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Yusuf al Qaradawi, der einflussreichste sunnitische Theologe, hatte im Februar 2006 zu einem „Tag des Zorns“ aufgerufen, nachdem ihm der dänische Imam Ahmad Akkari die Karikaturen gezeigt hatte. Akkari war es, wie er später zugab, darum gegangen, Spannungen zu erzeugen, um seine gefährdete Position in der islamischen Geistlichkeit zu halten. Mehr als 150 Personen wurden bei Zusammenstößen getötet, in Beirut brannten Botschaften. Heute leisten die Geistlichen eher einen Beitrag zur Deeskalation. In seiner Stellungnahme zum Titelbild von „Charlie Hebdo“ teilte Qaradawi nun mit, es sei weder vernünftig noch weise, Mohammed anzugreifen.

          Bemerkenswert ist auch die Haltung der „Organisation für Islamische Zusammenarbeit“ (OIC), einem Verbund aller Staaten mit überwiegend muslimischer Bevölkerung. 2006 rief die OIC zu Boykotten als Waffe gegen die „Islamophobie“ auf; am 7. Januar 2015 kondolierte die OIC umgehend den Familien der Opfer und verurteilte die Anschläge. Auch die Azhar, die führende sunnitische Universität, verurteilte die Anschläge; als das neue Heft von „Charlie Hebdo“ vorlag, rief sie die Muslime auf, dieses „zu ignorieren“. Einzig die Terrorgruppe „Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel“ freute sich. Das Titelbild sei „extrem dumm“. Will sagen: Wasser auf ihre Mühlen. Nur spielen die meisten Muslime dieses Spiel nicht mehr wie 2006 mit.

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