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MH17 : Weitere Opfer in die Niederlande gebracht

  • Aktualisiert am

Beileidsbekundungen am Tor der Korporaal van Oudheusden-Kaserne im niederländischen Hilversum, wohin die Opfer zur Identifizierung gebracht wurden Bild: AFP

Während weitere sterbliche Überreste der Opfer des Fluges MH17 in die Niederlande gebracht werden, ringen Helfer um freien Zugang zur Unglücksstelle. Identifizierungsspezialisten vermuten, dass dort noch immer nicht alle Opfer gefunden sind.

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          An diesem Donnerstag sollen weitere Opfer des mutmaßlichenFlugzeugabsturzes in der Ostukraine in die Niederlande übergeführt werden. Mit Transportflugzeugen sollen die Särge in Charkiw abgeholt und gegen 16 Uhr in Eindhoven landen. Auch die Untersuchung der Flugschreiber in Großbritannien geht weiter.

          Beim Absturz der Boeing 777-200 der Malaysia Airlines waren vor einer Woche 298 Personen aus zehn Ländern ums Leben gekommen, darunter 193 Niederländer und vier Deutsche. Die ersten Todesopfer waren am Mittwoch in die Niederlande gebracht worden. Die Bevölkerung empfing die Toten in tiefer Trauer. Flaggen wehten auf halbmast. Die Regierung hatte erstmals in 50 Jahren einen nationalen Trauertag ausgerufen. Bis Freitag sollen die übrigen bislang geborgenen Leichname nach Eindhoven geflogen werden.

          Unklarheit herrscht noch immer darüber, wie viele Opfer aus dem Trümmerfeld geholt wurden. Die bislang geborgenen Absturzopfer waren in einem Sonderzug aus dem Rebellengebiet nach Charkiw gebracht worden, das von der Kiewer Regierung kontrolliert wird. Die Sprecherin des amerikanischen Außenministeriums, Marie Harf, sagte am Mittwoch, es fehlten noch rund 100 Opfer.

          Moskau warnt vor „Verfälschung“ der Beweise

          In der Ostukraine dauerten unterdessen die Kämpfe an. Bei Sneschnoje kurz vor der russischen Grenze wurden zwei weitere ukrainische Kampfjets vom Typ Suchoi SU-25 abgeschossen. Die Ukraine warf Russland vor, dass die Raketen von russischem Gebiet aus abgefeuert worden seien. Nach Angaben von Aufständischen ein Pilot tot gefunden. Bereits am Vortag habe die „Volkswehr“ bei Lugansk zwei Suchoi-Flugzeuge abgeschossen, sagte ein Sprecher.

          Die Aufständischen hatten in den vergangenen Wochen mehrere Militärflugzeuge getroffen, auch Kampfjets. Die Ukraine und die westlichen Länder verdächtigen die Separatisten, auch die Boeing der Malaysia Airlines mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen zu haben.

          Die Ermittlungen nach dieser Katastrophe, die offiziell vom nationalen Sicherheitsrat der Niederlande geleitet werden, gingen an mehreren Orten weiter. Die Flugschreiber der Boeing wurden nach Farnborough in Südengland gebracht. Erste Ergebnisse erwartet der niederländische Rat in einigen Wochen. An der Auswertung sind nach Angaben aus Moskau auch russische Spezialisten beteiligt. In der Ukraine überprüfte der Geheimdienst SBU den Funkverkehr zwischen Fluglotsen am Boden und den MH17-Piloten. Moskau warnte vor einer möglichen Verfälschung des Materials.

          Luftangriffe trotz „Sicherheitszone“?

          Der niederländische Sicherheitsrat forderte abermals dringend sicheren Zugang für Spezialisten zu der Absturzstelle bei Grabovo, die von Aufständischen kontrolliert wird. „Zur Zeit gibt es keine Garantie für die Sicherheit der Experten“, hieß es. Vertreter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und malaysische Experten untersuchten am Mittwoch die Unglücksstelle. Moskau kritisierte, dass die ukrainische Luftwaffe Angriffe in der Nähe fliege. Eigentlich wollten Kiew und die Separatisten im Umkreis die Waffen schweigen lassen.

          Mehr als 1000 Menschen nahmen unterdessen in Melbourne Abschied von den 298 Opfern des mutmaßlichen Abschusses, unter denen auch 37 Australier gewesen waren. Bei einer Trauerfeier in der australischen Stadt sprachen Christen, Muslime, Buddhisten und Juden Gebete. Diplomaten aus Malaysia und den Niederlanden zündeten Kerzen an. „Möge Gott uns helfen zu wissen, dass Güte stärker ist als Übel, dass Liebe stärker ist als Hass“, sagte der anglikanische Dekan von Melbourne, Andreas Loewe. Die St-Paul’s-Kathedrale war so überfüllt, dass viele die Feier nur auf einer Leinwand in einem Park verfolgen konnten.

          Unter den Trauernden waren nach Medienberichten auch die Schulkameraden dreier Kinder, die mit ihren Eltern bei dem Absturz gestorben waren. Die Kinder Piers (15), Marnix (zwölf) und Margaux (acht) hatten mit  ihrer malaysischen Mutter und ihrem niederländischen Vater in Melbourne gelebt.

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