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MH17-Abschuss : Theorien, aber keine Täter

  • -Aktualisiert am

Immer noch liegen Trümmerteile von MH17 in der Nähe der Absturzstelle. Bild: AP

Vor einem Jahr wurde der malaysische Flug MH17 über der Ukraine abgeschossen - 298 Menschen starben. Wer dafür verantwortlich ist, ist immer noch unklar. Klagen werden aber trotzdem eingereicht.

          Vor einem Jahr, am späten Nachmittag des 17. Juli, stellte der russische Staatsbürger Igor Girkin, der zu dieser Zeit militärischer Führer der Separatisten in der ukrainischen „Volksrepublik Donezk“ war, zwei kurze Videos auf seine Seite im russischen sozialen Netzwerk „vkontakte“. Darin waren zwei dunkle Rauchsäulen zu sehen, die vor dem ostukrainischen Sommerhimmel aufstiegen. Gerade habe man im Rajon Tores eine AN-26 (eine Antonow) abgeschossen, schrieb Girkin im Kommentar dazu. „Wir haben euch gewarnt – fliegt nicht in unserem Himmel.“ Man habe auch Informationen über ein zweites abgestürztes Flugzeug, schreibt er weiter, „anscheinend eine SU (Suchoi)“. Offenbar ging Girkin davon aus, dass seine Männer ukrainische Militärflugzeuge getroffen hatten und wollte den Kampferfolg vermelden. Wenig später aber wird klar, dass im Kampfgebiet eine Boeing zerschellt war, ein Passagierflugzeug mit 298 Menschen an Bord – der Flug MH17 der Malaysian Airlines von Amsterdam nach Kuala Lumpur. Plötzlich verschwand der Beitrag mit den beiden Videos von Girkins Seite.

          In dieser Woche haben die Angehörigen von 18 Opfern der Katastrophe vor einem amerikanischen Gericht in Chicago Klage eingereicht gegen den ehemaligen russischen Geheimdienstmann Girkin. Ihr Anwalt fordert laut eines Berichts des „Daily Telegraph“ 900 Millionen Dollar Entschädigung. Es gehe aber nicht um das Geld, sagte er der britischen Zeitung, man wolle Antworten von Girkin und Druck ausüben auf Russland, damit es mit einem internationalen Tribunal zusammenarbeite. Die Niederlande, Malaysia und Australien, von wo die meisten Opfer des Absturzes stammen, hatten zusammen mit der Ukraine und Belgien am Montag den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ersucht, ein UN-Tribunal zur Aufklärung der Absturzursache einzurichten. Doch eine erste Reaktion von Russlands Präsident Wladimir Putin am Donnerstag zeigte, dass dieser Vorstoß sehr wahrscheinlich am russischen Widerstand im Sicherheitsrat scheitern wird. Die Initiative einiger Länder für ein UN-Tribunal sei „voreilig und kontraproduktiv“, sagte Putin nach Angaben des Kremls am Donnerstag bei einem Telefonat mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte.

          Seit man weiß, dass fast 300 internationale Fluggäste und Crewmitglieder zu Opfern des Konflikts in der Ostukraine wurden, beschuldigen sich die Ukraine und die von Russland unterstützten Separatisten gegenseitig, das Passagierflugzeug abgeschossen zu haben. Russlands Armeeführung behauptete, die Ukrainer hätten die Boeing 777 mit einem Kampfflugzeug vom Himmel geholt oder die ukrainische Flugabwehr habe es mit einer Rakete des Typs Buk vom Boden abgeschossen. Mittlerweile hat sich in Moskau letztere Theorie durchgesetzt.

          Anfang Mai dieses Jahres wurde der regierungskritischen russischen Zeitung „Nowaja Gaseta“ ein angeblicher Untersuchungsbericht russischer Rüstungsingenieure in die Hände gespielt, in dem genau diese Theorie bewiesen sein soll. Die russischen Fachleute, unter ihnen auch der Hersteller der Buk-Raketen, ziehen nach Analyse der durchlöcherten Wrackteile den Schluss, dass es in einem Winkel von 75 bis 78 Grad zur Flugrichtung beschossen sein worden muss. Ihrer Ansicht nach wurde die Rakete in der Nähe des Ortes Saroschtschenske abgefeuert, wo – so heißt es in dem Bericht – Buk-Abwehrsysteme der ukrainischen Armee stationiert gewesen sein sollen.

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