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Methodik der Untersuchung : Wer schießt wie oft wohin?

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Die zerstörte Brücke von Stanytsia Luhanska ist einer der Brennpunkte der Kämpfe in der Ostukraine. Bild: Reuters

Es ist schwierig, den Überblick zu behalten, wer in der Ostukraine seine Waffen abfeuert. Die F.A.Z. hat deshalb, gestützt auf die Beobachtungen der OSZE, eine eigene Methodik entwickelt.

          Was geschieht im Osten der Ukraine? Wer ist für die vielen hundert Verletzungen des Waffenstillstands verantwortlich, welche dort jeden Tag registriert werden? – Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat die einzig verfügbare neutrale Quelle genutzt, die geeignet scheint, diese Frage zu beantworten: die Tagesberichte der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die seit dem Beginn des Konflikts im März 2014 eine Sonder-Beobachtungsmission (SMM) mit 600 Teilnehmern in der Ostukraine unterhält. Ihre Protokolle, gestützt auf die direkten Beobachtungen von Patrouillen im Kriegsgebiet, die Auswertung der täglichen Gefechtsgeräusche, auf Luftaufnahmen, Aufzeichnungen von Gefechtsfeldkameras sowie Besuche in Krankenhäusern und Leichenhallen, enthalten täglich Hunderte von Einzelinformationen. Die F.A.Z. hat diesen Datenschatz jetzt für den Zeitraum vom Inkrafttreten des jüngsten Entflechtungsabkommens für drei Pilotabschnitte an der Front (21. September 2016) bis zum 14. Oktober 2016 durchleuchtet. Die Methodik folgt dabei mit leichten Abwandlungen einem ähnlichen Projekt, nach welchem wir im Frühjahr und Sommer 2016 schon etwa 100 Tage Kriegsgeschehen analysiert haben.

          Bei der Auswertung der OSZE-Berichte wurden schnell Schwierigkeiten sichtbar. Die wichtigste war, dass ein sehr großer Teil der Ereignisse, welche die Beobachter täglich zählen, Explosionen sind, die lediglich als Geräusch registriert werden: Artillerieabschüsse, Panzerfaustfeuer, Schüsse von Maschinengewehren und Handfeuerwaffen, Detonationen einschlagender Geschosse, Explosionen von Minen und Sprengfallen. Oft werden täglich hunderte solcher Ereignisse registriert.

          Diese Geräuschaufzeichnungen sind wertvoll, denn sie dokumentieren die Intensität der täglichen Kämpfe. Bei der Frage „wer war es“ führen sie aber meist nicht weiter. Schallbeobachtung mit freiem Ohr ist nicht überaus präzise. Einschlags- und Abschussgeräusche sind nicht immer eindeutig zu unterscheiden, Entfernungen bleiben oft unklar. Sehr oft lasen sich deshalb die Berichte der Beobachter etwa so: „In Jasynuwata (unter der Kontrolle der „Donezker Volksrepublik“, 16 km nordöstlich von Donezk) hörte die SMM 69 undefinierte Explosionen, mehr als 170 Abschussgeräusche und mehr als 40 Einzelschüsse schwerer Maschinengewehre sowie Feuer von Handwaffen, größtenteils 1-8 Kilometer Richtung West-Südwest, West, und West-Nordwest.“ Angesichts der oft sehr geringen Abstände zwischen den feindlichen Linien heißt das: Die Beobachter haben zwar ein Gefecht feststellen können, aber wer auf wen geschossen hat,  bleibt unklar.

          Die F.A.Z. hat sich deshalb entschlossen, die meisten Ergebnisse reiner Schallbeobachtung nicht zu zählen. Ausnahmen gelten dort, wo entweder die Beobachter einen bestimmten Einschlag oder ein feuerndes Geschütz aus nächster Nähe gehört oder haben, oder wo zusätzliche Mündungsfeuer sichtbar war.

          Fachlichen Rat eingeholt

          Eine weitere Kategorie von Daten, welche die F.A.Z. nicht genutzt hat, ist die Beobachtung von Waffen-Sammelpunkten durch die OSZE. Solche Sammelpunkte gehen auf Bestimmungen der Waffenstillstandsabkommen zurück, denen zufolge beide Seiten bestimmte schwere Waffen in ausgewiesenen Zonen stilllegen müssen. Die OSZE hat die Aufgabe, zu prüfen, ob die Waffen dann auch tatsächlich in den Sammelpunkten bleiben.

          Öffnen

          Hier ergab sich eine Schwierigkeit daraus, dass zwar beide Seiten Sammelpunkte unterhalten und auch Waffen dort deponieren; niemand weiß aber, welchen Anteil ihres Arsenals beide Parteien verschwiegen und gar nicht erst ausgewiesen haben. Daraus ergibt sich, dass eine Seite, die hier „schummelt“, also von vornherein besonders viele Waffen der Stilllegung entzieht, seltener in Versuchung gerät, eingelagertes Material wieder „verschwinden“ zu lassen, als eine, die alles ordnungsgemäß in die Sammelstellen gebracht hat. Damit würde eine Zählung der registrierten, aber danach wieder verschwundenen Waffen möglicherweise die „ehrlichere“ Seite stärker belasten, als die, die von vornherein unehrlich war. Die F.A.Z. hat hier fachlichen Rat eingeholt und entschieden, die Zählung verschwundener Waffen aus Sammelstellen nicht in ihre Analyse aufzunehmen.

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