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Weltkriegsgedenken : Merkel kommt nicht zur Moskauer Siegesparade

  • Aktualisiert am

Bundeskanzlerin Merkel im Jahr 2010 bei der Siegesparade auf dem Roten Platz in Moskau. Bild: AP

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eine Einladung des russischen Präsidenten Putin, der Parade zum Gedenken an den Sieg über Nazi-Deutschland beizuwohnen, abgesagt. Es sei ihr „unmöglich“ daran teilzunehmen, heißt es.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird nicht an den Feiern zum Jahrestag des Weltkriegsendes am 9. Mai in Moskau teilnehmen. Sie wird aber einen Tag später mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Grabmal für den unbekannten Soldaten in Moskau einen Kranz niederlegen. Diesem Vorschlag der Kanzlerin habe Putin zugestimmt, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin mit. Putins Einladung für den 9. Mai werde sie dagegen nicht folgen.

          Angesichts der Entwicklung in der Ukraine sei es für die Bundeskanzlerin nicht angemessen, der traditionellen Militärparade Russlands auf dem Roten Platz beizuwohnen, begründete Seibert die Absage. Russland feiert an diesem Tag mit einer Parade den 70. Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland. Das Verhältnis zwischen Berlin und Moskau ist wegen des russischen Agierens im Ukraine-Konflikt sehr angespannt.

          Wie „Die Zeit“ berichtet, habe Merkel entschieden, dass ein Besuch der Parade von der ukrainischen Regierung als Affront aufgefasst werden könne. Seit dem umstrittenen Agieren Russlands in der Ukraine-Krise ist das Verhältnis zum Westen zerrüttet. Dieser wiederum steht an der Seite der Ukraine. Die Vereinigten Staaten und die EU haben gegen Russland wegen der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim und der Unterstützung der prorussischen Separatisten in der Ostukraine Sanktionen verhängt.

          Merkel war zuletzt im Jahr 2010 bei der Parade, während ihr Amtsvorgänger Gerhard Schröder als erster deutscher Bundeskanzler im Jahr 2005 den Feierlichkeiten beigewohnt hatte. Einladungen deutscher Vertreter zu Gedenkveranstaltungen an den Sieg über das „Dritte Reich“ gelten als Hinweis auf Versöhnung und darauf, dass sich das Verhältnis zwischen den Staaten mittlerweile normalisiert hat. Sollte Merkel etwa zu den polnischen Feierlichkeiten am 8. Mai eingeladen werden, werde sie dies „wohlwollend prüfen“, sagte Seibert.

          Angela Merkel wird dabei nicht die einzige sein, die der Einladung nach Moskau nicht folgt. Bundespräsident Joachim Gauck wird schon am 8. Mai an einer Gedenkveranstaltung in Brandenburg teilnehmen. Auch der polnische Präsident Bronislaw Komorowski sowie die Präsidenten der drei baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen, Toomas Hendirk Ilves, Andris Berzins und Dalia Grybauskaite werden nicht nach Moskau fliegen. Der amerikanische Präsident Barack Obama wird ebenfalls fehlen und der französische Präsident François Hollande und der britische Premierminister David Cameron haben eine Teilnahme noch nicht zugesagt.

          „Pflicht, der Toten zu gedenken“

          Dass Merkel jedoch am 10. Mai nach Moskau reisen wird, begründete Seibert damit, dass der Bundeskanzlerin die gemeinsame Erinnerung an das Leiden beider Bevölkerungen im Zweiten Weltkrieg und die deutsche Verantwortung sehr wichtig sei. „Die Pflicht, der Toten zu gedenken, besteht unabhängig von dem, was uns zur Zeit von Russland trennt.“ So habe sich Merkel 2014 auch dafür eingesetzt, dass Putin im Juni trotz der Annexion der Krim an den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie teilnehmen habe können.

          Dort entstand auch das sogenannte Normandie-Format, in dem Merkel, Putin, Hollande und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko in den vergangenen Monaten mehrfach über eine Beilegung des Konflikts in der Ostukraine beraten haben. Merkel war Anfang Februar zusammen mit Hollande erstmals seit Ausbruch der Ukraine-Russland-Krise im vergangenen Jahr wieder nach Moskau geflogen, um dort mit Putin die Minsker Friedensvereinbarung für die Ostukraine vorzubereiten.

          Am Mittwoch teilte das Bundespresseamt zudem mit, dass Merkel wiederum Poroschenko am kommenden Montag in Berlin empfangen wird. Nähere Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt. Thema dürfte die angespannte Lage in der Ostukraine sein. Die ukrainische Armee und die prorussischen Separatisten werfen sich zahlreiche Verstöße gegen die Waffenruhe vor, die seit 15. Februar gilt. Vor dem Treffen mit der Kanzlerin wird Bundespräsident Joachim Gauck Poroschenko mit militärischen Ehren empfangen.

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