https://www.faz.net/-gq5-7ac9e

Merkel in Russland : Petersburger Eklat

Deutschland hat lange zuverlässig darauf geachtet, dass russische Interessen in Europa Gehör fanden. Es liegt an Moskau, dass der deutsch-russische Dialog immer öfter unfreundliche Züge annimmt.

          1 Min.

          Der Petersburger Eklat ist vor dem Hintergrund der Verschlechterung der deutsch-russischen Beziehungen in den vergangenen anderthalb Jahren zu sehen. Wäre das Verhältnis noch so freundschaftlich, wie es seit Gorbatschow zu sein pflegte, hätten Berlin und Moskau sicher einen Weg gefunden, wie Kanzlerin Merkel und Präsident Putin trotz unterschiedlicher Rechtsauffassungen über die Beutekunst ohne Irritationen gemeinsam eine Ausstellung eröffnen können.

          Dass die gefühlte Temperatur zwischen den Regierungen beider Länder derzeit so eisig ist, liegt an der Wärme, die zuvor so lange herrschte. Deutschland hat sich unabhängig von der politischen Farbe seiner Regierungen seit der Perestrojka besonders um Russland bemüht. Dabei spielten Dankbarkeit für Moskaus Entgegenkommen bei der Wiedervereinigung und historische Verantwortung angesichts der von Deutschen auf russischem Boden verübten Kriegsgreuel ebenso eine Rolle wie aktuelle politische und wirtschaftliche Interessen.

          In der EU war Deutschland lange das Land, das zuverlässig darauf achtete, dass russische Interessen und Bedenken in Brüssel und den Hauptstädten der anderen Mitgliedstaaten Gehör fanden. Zugleich versuchte Berlin über viele Jahre, unter immer neuen Etiketten eine enger werdende Kooperation voranzutreiben, die Russland dabei helfen sollte, besser mit den gigantischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen klar zu kommen, vor denen es - zum großen Teil noch immer als Folge der Sowjetmacht - steht.

          Eine solche Politik aber ist nur möglich, wenn Einigkeit über ein Mindestmaß an gemeinsamen Werten und Zielen besteht. Die Zweifel zuerst an der Tragfähigkeit, dann am Bestehen einer solchen Basis sind mit jedem Jahr der Herrschaft Wladimir Putins größer geworden, spiegelten sich in der deutschen Regierungspolitik aber lange nicht wider. Der repressive Kurs des Kremls gegen die Opposition und seine immer schärfer werdende (wenn auch noch überwiegend für den Hausgebrauch bestimmte) antiwestliche Rhetorik machen es indes immer schwieriger, über das hinwegzusehen, was bisher diplomatisch übersehen werden konnte. Es liegt an Moskau, dass der deutsch-russische Dialog immer öfter unfreundliche Züge annimmt.

          Topmeldungen

          Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) stand der Zweiten Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) im TV-Duell gegenüber.

          TV-Duell zur Hamburger Wahl : Darf's noch ein bisschen grüner sein?

          Lange sah es so aus, als ob die Grünen das Hamburger Rathaus erobern könnten. Doch im TV-Duell wird deutlich: Der amtierende SPD-Bürgermeister Peter Tschentscher gibt das souveräne Stadtoberhaupt – und ist aus dem Schatten seines Vorgängers getreten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.