https://www.faz.net/-gq5-7pizu

Medwedjew droht dem Westen : Gas könnte statt nach Europa an China gehen

  • Aktualisiert am

Blick nach Osten: Russlands Ministerpräsident Medwedjew Bild: dapd

Russlands Ministerpräsident Medwedjew droht Europa: Wenn „vom Schlimmsten“ ausgegangen werde, sei eine Umorientierung der Gasexporte von Europa nach China möglich. Auch militärisch wollen beide Länder enger kooperieren.

          2 Min.

          Russisches Erdgas könnte nach den Worten des russischen Ministerpräsidenten Dmitrij Medwedjew künftig statt nach Europa nach China geliefert werden. Russland habe „genügend Reserven“, um sowohl an den Osten als auch an den Westen Gas zu liefern, sagte er in einem Interview mit dem Sender Bloomberg, aus dem die russische Regierung auf ihrer Internetseite am Dienstag Auszüge veröffentlichte.

          Wenn „vom Schlimmsten“ ausgegangen werde, sei eine Umorientierung der Gasexporte von Europa nach China „theoretisch“ durchaus möglich. Medwedew äußerte sich mitten des politischen Konflikts zwischen Russland und der Ukraine, der auch auf der wirtschaftlichen Ebene ausgetragen wird. Wegen ausstehender Zahlungen der Ukraine für russisches Gas hatte Moskau vor Kurzem damit gedroht, den Gashahn zuzudrehen. Das hätte auch für Europa Folgen, da die Ukraine ein wichtiges Transitland für russisches Gas ist.

          Der russische Präsident Wladimir Putin hält sich derzeit in Schanghai auf, um Verhandlungen mit China über russische Gaslieferungen abzuschließen. Am Dienstag traf er den chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Im Zentrum des zweitägigen Staatsbesuches steht der Abschluss zahlreicher Verträge. Insgesamt sollen bei Putins China-Reise 43 Abkommen unterzeichnet werden. Seit Jahren ringen Russland und China um den Abschluss eines neuen Gasvertrages. Ein neues Abkommen stehe kurz bevor, wie Putin am Montag angedeutet hatte. Die Diskussionen in Schanghai über das Gasabkommen seien bereits sehr weit, und China könne „jeden Moment“ das Abkommen unterzeichnen, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow nach Angaben von Itar-Tass. Noch sei keine Einigung über den Preis für die Gaslieferungen gefunden worden. Schon im vergangen Jahr hatten beide Länder einen Durchbruch in den Verhandlungen gefeiert, aber beide Seiten konnten sich nicht auf einen Preis einigen.

          Militärkooperation vereinbart

          Russland und China wollen auch militärisch enger zusammenarbeiten. Die Kooperation zwischen beiden Ländern sei ein wesentlicher Faktor für Sicherheit in der Welt, sagte Putin nach dem Treffen mit Xi Jinping. Es gebe gute Aussichten für den gemeinsamen Bau eines großen Flugzeuges und eines Helikopters. Gleichzeitig war für Dienstag der Auftakt eines mehrtägigen Manövers von russischen und chinesischen Militärschiffen im Ostchinesischen Meer geplant. In der Region liegt China seit langer Zeit mit Japan im Streit um eine Gruppe von unbewohnten Inseln.

          Die Visite in Schanghai erfolgt vor dem Hintergrund der schweren Krise in der Ukraine. Putins Gespräche mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in der ostchinesischen Hafenmetropole gelten auch als Zeichen an den Westen, dass Moskau die Suche nach neuen Partnern intensiviert. Am Dienstag wollte Putin in Schanghai zudem mit UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zusammenkommen. Beide nehmen an einem Sicherheitsgipfel asiatischer Länder teil.

          China und Russland riefen in einer gemeinsamen Erklärung alle politischen Gruppen in der Ukraine zu Gesprächen auf. Beide Länder seien wegen der Krise in der Ukraine besorgt, zitierte die Nachrichtenagentur Itar-Tass am Dienstag aus dem Dokument. Sie forderten eine Deeskalation in der Ukraine. Bei einem landesweiten Dialog solle ein Konzept für die Entwicklung einer Verfassung erarbeitet werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Angela Merkel im Bundestag bei der Debatte „Epidemische Lage von nationaler Tragweite“, einen Tag nach dem Bund-Länder-Gipfel

          Deutschlands Corona-Wette : Angela Merkel hisst die weiße Fahne

          Die gesamte Konstruktion, mit der Bund und Länder die Pandemie bewältigen wollten, hat Risse bekommen. Deutschland erlebt eine neue Form von politischem Kontrollverlust.
          Ein besonderes Tänzchen: Kneissl mit Putin auf ihrer Hochzeit in der Südsteiermark

          Kneissl geht zu Rosneft : Wer mit Putin tanzt

          Einst sorgte Österreichs frühere Außenministerin für Aufsehen, weil sie den russischen Präsidenten zu ihrer Hochzeit einlud. Nun zieht Karin Kneissl in den Aufsichtsrat von Rosneft ein – einem besonderen Unternehmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.