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Marine gegen Jean-Marie Le Pen : Eine schrecklich nette Familie

Dicke Luft zwischen Verwandten: Marine Le Pen und ihr Vater Jean-Marie Bild: AFP

Jean-Marie Le Pen spuckt Gift und Galle: Seine Tochter Marine hat seine wöchentliche Videobotschaft von der Homepage des Front National genommen. Der FN-Gründer tobt nun, er werde „wie ein alter Knacker“ behandelt.

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          Dallas in Saint-Cloud: Das herrschaftliche Anwesen der Le Pens in dem schmucken Vorort im Westen von Paris wird immer mehr zum Schauplatz eines erbitterten Familien- und Politdramas. Marine Le Pen, die mit ihrer Familie im Pförtnerhaus lebt, straft ihren Vater derzeit mit Schweigen. Der tobt im Haupthaus, er werde „wie ein alter Knacker“ behandelt, von seiner Tochter, „die nicht einmal meine Anrufe beantwortet“. Die Front-National-Vorsitzende soll ihm auch nicht mitgeteilt haben, dass sie seine wöchentlichen politischen Kommentare nicht länger auf der Parteiwebseite zu veröffentlichen gedenkt.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Der FN-Ehrenpräsident „auf Lebenszeit“ hatte es sich nicht nehmen lassen, jede Woche vor einer Videokamera seine Gedanken zum Besten zu geben, zuletzt einen antisemitischen Ausfall auf Künstler, die zum Kampf gegen die extreme Rechte aufgerufen hatte. Doch mit den oftmals rassistischen und antisemitischen Wortspielen des 85 Jahre alten FN-Gründers auf der Parteiwebseite soll es nun ein Ende haben. Das hat die FN-Vorsitzende verfügt, die sich in Verhandlungen aufreibt, um eine eigene Fraktion im Europäischen Parlament zu begründen. Marine Le Pens Anwalt Wallerand de Saint-Just sprach von „juristischen Gründen“, die das Vorgehen rechtfertigten.

          Schuld ist nur der Schwiegersohn

          „Man behandelt mich auf unwürdige Weise. Dieses Vorgehen verletzt mich, zumal ich mich gänzlich unschuldig wähne“, sagte Le Pen am Mittwoch. Dann polterte er, Schuld an dem ganzen Schlamassel sei Louis Aliot „le concubin“, der „als Erster geschossen hat“. Aliot hatte Le Pens schändlichen KZ-Witz „töricht“ genannt. Auf den Lebensgefährten seiner jüngsten Tochter Marine ist der FN-Gründer seit langem nicht gut zu sprechen. Das liegt weniger an den politischen Überzeugungen des Juristen und stellvertretenden Parteivorsitzenden, der seit 2009 mit Marine Le Pen liiert ist. Vielmehr erregt beim Patriarchen Anstoß, dass Aliot häufig von seinen jüdischen Großeltern spricht.

          Überhaupt findet der Alte selten Gefallen an den Partnern seiner drei blonden Töchter. Seine älteste Tochter Marie-Caroline Le Pen verstieß er Ende 1998 „live“ im Fernsehen, weil sie sich mit ihrem Mann, dem FN-Kader Philippe Olivier, dem „Verräter“ Bruno Mégret angeschlossen hatte. Mégret war nach einem Machtkampf vom FN-Gründer aus der Partei ausgeschlossen worden. „Frauen“, sagte Le Pen damals abfällig, „haben die Angewohnheit ihrem Mann oder Geliebten zu folgen statt ihrem Vater“. Marie-Caroline musste daraufhin mit ihrer Familie das von einem Baumagnaten Le Pen unter nie geklärten Umständen vermachte Anwesen in Saint-Cloud verlassen.

          Keine der Töchter heiratete außerhalb des FN

          Marine Le Pen weiß also, was ihr droht, sollte der Streit weiter eskalieren. Keine der drei Töchter hat es gewagt, sich einen Mann außerhalb der Partei zu suchen. Auch Yann Le Pen ehelichte einen Parteikader, den damaligen Chef der FN-Jugendorganisation Samuel Maréchal. Yanns Tochter Marion wurde vom Großvater in die Politik gedrängt, sie sitzt als Abgeordnete in der Nationalversammlung. Yann Le Pen hat kürzlich enthüllt, dass nicht der FN-Mann Maréchal, von dem sie mittlerweile getrennt lebt, der Vater des jüngsten politischen Sprosses der Le Pen-Dynastie ist. Ihr leiblicher Vater ist vielmehr der Journalist Roger Auque, den Präsident Sarkozy als französischen Botschafter nach Ägypten entsandt hatte.

          Als wahren Grund für die Auseinandersetzung im Clan sehen Le Pen-Vertraute die „krankhafte Eifersucht“ des Patriarchen. Er ertrage es nicht, dass er bei der Europawahl nicht so gut abgeschnitten habe wie Marine Le Pen, hieß es in der FN-Zentrale. „2002 habe ich 17 Prozent geholt, Marine Le Pen 2012 18 Prozent. Der Fortschritt ist gering“, spottete Le Pen am Mittwoch. Mit ihrem Versuch, sich seiner zu entledigen, „schießt sie sich in den Fuß“, sagte Le Pen weiter. Ein „netter Front National“ werde keine Wähler an die Urnen locken. „Wer mit meinem Kurs nicht einverstanden ist, der soll doch seinen eigenen Kandidaten für den Parteivorsitz präsentieren“, ließ Marine Le Pen mitteilen.

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