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Nach Attentat in Lyon : Adressat des Selfies meldete sich offenbar bei Mutter

  • Aktualisiert am

Trauermarsch für Hervé Cornara am Dienstag in Fontaine-sur-Saone, im Vordergrund seine Frau Laurence und Sohn Kevin Bild: dpa

Die Mutter des Adressaten eines Handyfotos, das der mutmaßliche Attentäter von Lyon von sich gemacht haben soll, hatte offenbar Kontakt mit ihrem Sohn in Syrien. Dieser habe behauptet, von dem geplanten Anschlag gewusst zu haben, sagt sie.

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          Der Adressat eines makaberen Fotos, das den mutmaßlichen Attentäter von Lyon mit dem abgetrennten Kopf seines Opfers zeigt, hat sich offenbar aus Syrien bei seiner Mutter gemeldet. Die Frau sagte am Mittwoch im französischen Radiosender Europe 1, sie habe mit ihrem Sohn über den Onlinedienst Whatsapp Kontakt gehabt. Er habe ihr bestätigt, dass er von dem Attentat am Freitag, das der mutmaßliche Islamist Yassin Salhi verübt haben soll, gewusst habe.

          „Ich habe meinem Sohn eine Whatsapp-Nachricht geschrieben“, sagte die Mutter dem Sender. Sie habe am Freitag mit ihm über die Geschehnisse sprechen wollen. „Ja, ich weiß, das ist ein guter Bruder von mir“, habe der Sohn geantwortet und hinzugefügt: „Ich bin einer der Gründe, aus denen er es getan hat.“ Die Mutter sagte, sie wisse aber nicht, ob ihr Sohn die Tat in Auftrag gegeben habe.

          Mit Frau und Tochter nach Syrien ausgereist

          Der Sohn, ein 30 Jahre alter Techniker aus Ostfrankreich, soll sich derzeit in der syrischen Provinz Raqqa aufhalten und dort in der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat kämpfen. Er soll im November zusammen mit seiner Ehefrau und einer kleinen Tochter ausgereist sein. Am Freitag hatte er nach Angaben französischer Ermittler über eine kanadische Nummer per Whatsapp das makabere Foto von Yassin Salhi erhalten.

          Salhi soll am vergangenen Freitagmorgen auf das Gelände der auf Gasprodukte spezialisierten Firma Air Products in Saint-Quentin-Fallavier nahe Lyon vorgedrungen sein und in einem Hangar voller Gasflaschen eine Explosion verursacht haben. Feuerwehrleute konnten den Mann in einem zweiten Hangar überwältigen, als er weitere Explosionen auslösen wollte. Anschließend entdeckten Polizisten Cornaras abgetrennten Kopf sowie den enthaupteten Leichnam. Nach einer ersten Autopsie war unklar, ob der  Mann vor der Enthauptung getötet worden war.

          Trauerfeier für Hervé Cornara

          Salhi habe nach anfänglichem Schweigen aber zugegeben, dass er Cornara vor dem Anschlag getötet und enthauptet habe, hieß es aus Ermittlerkreisen. Dabei habe er sich auch zu einigen Details der Tatumstände geäußert. Außer Salhi wurden seine Ehefrau, seine Schwester und ein weiterer Mann festgenommen. Gegen letzteren werde wegen Terrorvorwürfen ermittelt, seine Verbindung zum Anschlag sei aber noch unklar, hieß es weiter. Bislang gibt es nach den Worten des Anti-Terror-Staatsanwalts François Molins keine Hinweise darauf, dass Salhi einen Komplizen bei sich gehabt habe.

          Am Dienstag gab es in dem Ort eine Trauerzeremonie für das Opfer, an der neben der hinterbliebenen Ehefrau und dem Sohn viele Einwohner und Politiker teilnahmen.

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