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„Ligue de défense juive“ : Paris will radikale jüdische Organisation verbieten

Geballte Faust: Mitglieder der „Ligue de défense juive“ 2012 in Paris Bild: Riva Press/laif

In Amerika wird sie als Terrororganisation geführt, nun soll sie auch in Frankreich verboten werden: Mitglieder der Selbstverteidigungsorganisation „Ligue de défense juive“ hatten sich in Paris gegen pro-palästinensische Demonstranten zur Wehr gesetzt.

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          Das französische Innenministerium erwägt ein Verbot der „Ligue de défense juive“ (LDJ), einer radikalen jüdischen Selbstverteidigungsorganisation. Die LDJ solle aufgelöst werden, derzeit würden die rechtlichen Möglichkeiten geprüft, bestätigte am Donnerstag ein Sprecher des Innenministeriums.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Bei der Organisation handelt es sich um den französischen Ableger der in New York von Meir Kahane gegründeten Jewish Defense League, die seit 2001 auf der amerikanischen Liste für Terrororganisationen steht. Das Emblem der französischen LDJ – eine geballte Faust in einem Davidstern - stammt von der in Israel verbotenen Kach-Partei.

          Mitglieder der LDJ hatten sich am 13. Juli vor der Pariser Synagoge in der Rue de Roquette und am 20. Juli vor der Synagoge in Sarcelles mit Schlagstöcken bewaffnet gegen propalästinensische Randalierer zur Wehr gesetzt. Am Rande propalästinensischer Demonstrationen hatte es zuletzt Ausschreitungen gegeben. Die LDJ zählt etwa 100 Mitglieder, die in Selbstverteidigungskursen im urbanen Nahkampf ausgebildet wurden. Innenminister Bernard Cazeneuve sagte vergangene Woche, die Ligue de défense juive habe sich aufgrund der Übergriffe zu Gewalttaten verleiten lassen, „die strafbar sind und verurteilt werden müssen“.

          Jüdischer Dachverband „überrascht“

          Der Vorsitzende des Dachverbands der jüdischen Organisationen (Crif), Roger Cukierman, äußerte sich am Donnerstag „überrascht“ vom geplanten Verbot der LDJ. „Wir teilen weder ihre Ideologie, noch ihre Methoden“, sagte Cukierman im Radiosender RMC. Erstaunlich sei jedoch, dass diese „kleine“, nur „ein paar Dutzend Mitglieder“ zählende Selbstverteidigungsliga aufgelöst werden solle, während „gewisse propalästinensische Organisationen“ nicht von einem Verbot bedroht seien. „Es gibt propalästinensische Organisationen, die gegen acht Synagogen im Großraum Paris Gewaltakte verübt haben“, sagte Cukierman. „Werden diese Organisationen auch verboten? Ich habe nichts davon gehört. Das ist ein wenig überraschend“, sagte er.

          Der Crif-Vorsitzende, dessen Dachverband mehrere hundert Verbände und Organisationen angehören, hat zu einer proisraelischen Solidaritätskundgebung am Donnerstagabend vor der israelischen Botschaft in Paris aufgerufen. Schon vergangene Woche waren Unterstützer der israelischen Militäroperationen in Marseille auf die Straße gegangen. In Frankreich leben gut eine halbe Million Juden.

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