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Wahlkampf in Großbritannien : Alle gegen alle

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Nicht alle auf einmal: Labour-Chef Ed Miliband, die Vorsitzende der Grünen, Natalie Bennet, und Ukip-Chef Nigel Farage fallen sich ins Wort, während SNP-Führerin Nicola Sturgeon schmunzelt und Plaid-Cymru-Chefin Leanne Wood auf ihren Zettel schaut. Bild: dpa

Beim letzten TV-Duell vor der Unterhauswahl liefern sich die Vorsitzenden der Schottischen Nationalpartei Sturgeon und Labour-Chef Miliband Scharmützel. Um Premierminister Cameron abzulösen, müssten sie aber zusammenarbeiten.

          In der letzten TV-Debatte vor der Parlamentswahl in Großbritannien hat sich die Opposition uneinig gezeigt. Bei der Diskussionsveranstaltung am Donnerstagabend warf die Chefin der Schottischen Nationalpartei (SNP), Nicola Sturgeon, Labour, der größten Oppositionspartei, vor, dass sich ihr Wahlprogramm kaum von dem der regierenden Tories unterscheide. An Labour-Chef Ed Miliband gerichtet sagte sie, seine Partei sei eine „Light-Version“ der Konservativen von Premierminister David Cameron.

          Sturgeon bot sich Miliband dennoch abermals als Koalitionspartnerin an, wenn bei der Wahl am 7. Mai weder die Tories noch Labour eine absolute Mehrheit erringen sollten. „Wir haben die Chance, David Cameron aus Downing Street zu werfen. Verschließen Sie sich dem nicht, das werden Ihnen die Leute nie verzeihen“, forderte die SNP-Chefin Miliband auf. „Ich fürchte, die Antwort lautet Nein“, entgegnete der Labour-Chef jedoch. Er rief die Wähler auf, seiner Partei eine eigene Mehrheit zu verschaffen.

          Miliband warf Sturgeon vor, sie wolle ein abermaliges Referendum über eine Abspaltung Schottlands von Großbritannien organisieren und damit das Land spalten. Beim ersten Referendum im September waren die Unabhängigkeitsbefürworter knapp gescheitert. Labour muss Umfragen zufolge befürchten, in Schottland den Großteil ihrer Sitze an die SNP zu verlieren.

          Neben Miliband und Sturgeon stellten sich auch der Chef der europakritischen UK Independence Party (Ukip), Nigel Farage, Grünen-Chefin Natalie Bennett und die Chefin der walisische Regionalpartei Plaid-Cymru Leanne Wood den von den Zuschauern eingereichten Fragen zu Themen wie Einwanderung, Verteidigung und Staatsausgaben. Farage warf den Vertretern der anderen Parteien vor, „professionelle Karrierepolitiker“ zu sein, die sich nicht für „das einfache Volk“ einsetzen wollten.

          Die Parteichefs stimmten lediglich in ihrer Kritik überein, dass Premierminister Cameron sich nicht zur Teilnahme an der Veranstaltung bereit erklärte. Dies sei „eine Schande“, sagte SNP-Chefin Nicola Sturgeon.

          Labour-Chef Ed Miliband rief den Regierungschef abermals auf, sich vor der Wahl einem TV-Duell mit ihm zu stellen. „David, wenn Sie denken, dass es bei dieser Wahl um Führungsstärke geht, debattieren Sie mit mir eins zu eins“, sagte der Oppositionschef. Cameron hatte ein derartiges Duell abgelehnt und lediglich an einer Debatte mit Vertretern der sechs anderen großen Parteien des Landes vor zwei Wochen teilgenommen. Am 30. April wollen sich Miliband, Cameron und sein liberaldemokratischer Koalitionspartner Nick Clegg im Fernsehen den Fragen der Wähler stellen, eine Diskussion untereinander ist aber nicht vorgesehen.

          In Umfragen liegen derzeit Tories und Labour etwa gleichauf. Eine Regierungsbildung dürfte aber auch diesmal wieder nur mit Hilfe einer kleineren Partei möglich sein. Bei den Wahlen 2010 war in Großbritannien, wo das Mehrheitswahlrecht gilt, erstmals seit 1945 eine Koalitionsregierung notwendig geworden.

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