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Leiter des Lewada-Zentrums : „Russland bewegt sich in Richtung Diktatur“

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Der Meinungsforscher Lew Gudkow Bild: AP

Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hat der Leiter des renommierten Lewada-Zentrums die deutsche Politik gegenüber Moskau kritisiert. Die Haltung Deutschlands sollte „moralisch eindeutig“ sein, sagt Lew Gudkow.

          Deutschland sollte nach Ansicht des renommierten russischen Meinungsforschers Lew Gudkow den autoritären Kurs Wladimir Putins deutlich kritisieren. „Den Weg der stillen Diplomatie halte ich für falsch“, sagte der Direktor des unabhängigen russischen Meinungsforschungsinstituts Lewada-Zentrum der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (F.A.S.). „Russland bewegt sich heute in Richtung Diktatur“, sagte Gudkow. Die Haltung Deutschlands dazu sollte „moralisch eindeutig“ sein.

          Zugleich warnte Gudkow davor, Russland zu isolieren: „Das würde nur dazu beitragen, dass aus dem autoritären Regime, das wir schon haben, noch schneller eine Diktatur wird.“ Gudkow wandte sich gegen die Ansicht, man müsse mit Russland Geduld haben, da das Land nie eine Demokratie gewesen sei: „Das höre ich vor allem von Sozialdemokraten. Mich empört diese Haltung.“

          Gerade Deutschland, das nach dem Zweiten Weltkrieg von den Westmächten auf einen demokratischen Weg gebracht worden sei, könne sich eine solche Position nicht leisten. Falsch sei es jedoch auch, Russland als „hoffnungslosen Fall“ abzuschreiben. Was in Russland geschehe, betreffe ganz Europa. Deutschland und die Europäische Union sollten „Vereinbarungen mit Russland schließen und dann darauf bestehen, dass sie eingehalten werden“, sagte Gudkow.

          Das Lewada-Zentrum in Moskau steht seit Wochen unter dem Druck der russischen Justizbehörden. Gudkow will sich ihm nicht beugen. „Wir werden auf jeden Fall unsere Arbeit fortsetzen, auch wenn es schwieriger wird“, sagte der Meinungsforscher der F.A.S.

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