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Skandal bei Pariser Polizei : Gegen den eigenen Chef

Bernard Petit Bild: AFP

Der Leiter der Pariser Kriminalpolizei, Bernard Petit, ist in Gewahrsam genommen worden. Er soll einen frühen Polizeichef vor seiner Festnahme gewarnt haben. Es ist nicht der erste Skandal am Quai des Orfèvres.

          36, Quai des Orfèvres am Seine-Ufer – diese Adresse kennen Krimileser durch Kommissar Maigret, der hier zahlreiche Kriminalfälle löste. Nun ist der Hauptsitz der Pariser Kriminalpolizei selbst zum Schauplatz eines Skandals geworden, der aus der Feder des Schriftstellers Georges Simenons hätte stammen können. Der Chef der Pariser Kriminalpolizei, Bernard Petit, ist wegen mutmaßlichen Geheimnisverrats in Polizeigewahrsam genommen worden. Zusammen mit einem einflussreichen Gewerkschaftsfunktionär, Joaquin Masanet, soll Petit versucht haben, einen früheren Polizeichef vor seinen eigenen Kriminalpolizisten zu schützen. In der Nacht zum Freitag wurde ein Strafverfahren gegen Petit eröffnet, er wurde umgehend seines Postens enthoben, ein Nachfolger ist bestellt.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Der 59 Jahre alte Polizist, der seit einem Jahr den Chefposten innehatte, soll vertrauliche Informationen zu Justizermittlungen weitergegeben und der Arbeit der Polizei damit schwer geschadet haben. So soll der Mann mit den randlosen Brillengläsern den früheren Chef der Polizei-Eliteeinheit GIGN Christian Prouteau vor seiner bevorstehenden Festnahme gewarnt und ihn mit „Informationen aus erster Hand“ über den Stand der Ermittlungen versorgt haben. Prouteau gilt als Legende bei der französischen Polizei, er gründete 1974 die Eliteeinheit GIGN, die bei Entführungen, Terrorangriffen und Geiselnahmen zum Einsatz kommt. Zuletzt waren Elitepolizisten der GIGN an der Jagd nach den islamistischen Terroristen beteiligt.

          Gegen Prouteau läuft seit vergangenem Oktober ein Strafverfahren wegen seiner Beziehungen zu dem Betrüger Christophe Rocancourt. Schon im August hatte der Quai des Orfèvres in den Schlagzeilen gestanden, weil Drogenfahnder 52 Kilogramm Kokain aus einem gesicherten Polizeilager hatten mitgehen lassen. Gegen zwei Beamte läuft ein Strafverfahren. Einer der Polizisten war mit 20.000 Euro in seinem Rucksack angetroffen worden. Von dem Kokain fehlt weiterhin jede Spur. Im April strengte eine kanadische Touristin eine Klage gegen vier Kriminalpolizisten an. Sie sollen sie zu einer nächtlichen Visite des berühmten Polizeigebäudes eingeladen und in den Räumlichkeiten vergewaltigt haben. Gegen zwei Polizisten wurde ein Strafverfahren wegen Vergewaltigung eröffnet.

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