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Leben mit dem drohenden Grexit : Die Europaflaggen sind verschwunden

  • -Aktualisiert am

Straßenszene in Athen in Tagen der Krise Bild: dpa

Wie ist die Stimmung der Menschen in der griechischen Provinz? Im Schatten des drohenden „Grexit“ abseits der Hauptstadt Athen? Ein seit fast 30 Jahren auf einer griechischen Insel lebender Deutscher schildert für FAZ.NET seine Eindrücke.

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          Am Montag war das Kirchenfest der Dorfkirche in Triandaros, dem Ort in Griechenland, in dem wir seit 28 Jahren leben - zunächst nur in den Schulferien, seit der Pensionierung vor drei Jahren insgesamt sechs Monate im Jahr. Eine gewaltige Liturgie, die über vier Stunden von fünf Popen und ebenso vielen Psalmodierern abgehalten wurde.

          Zum Schluss der Liturgie wünschte der Dorfpope dem Land und seiner Bevölkerung einen guten Ausgang dieser krisenhaften Situation. Anschließend ging es in den Gemeindesaal, wo reichlich getrunken und gegessen wurde. Danach wurde wie jedes Jahr getanzt. Einen kurzen Moment hatten wir überlegt, ob es wohl passend wäre dahin zu gehen. Dann aber entschlossen wir uns teilzunehmen und wurden überaus herzlich  von denen, die uns kennen, begrüßt.

          Wenn sich die Gespräche über die politische Situation drehten, dann wurde der griechische Fatalismus als Ergebnis jahrhundertelanger Geschichte deutlich: Es wird schon eine Lösung gefunden werden.


          Leben mit dem drohenden Grexit

          © Florian Schuh

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          Lediglich in einem Gespräch, das ich mit einem  ehemaligen Bürgermeister von Tinos, zu dem sich ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt hat, machte dieser seine Sorgen deutlich und zeigte, dass ihn die Frage umtreibt, wie die Griechen in eine solche Situation kommen konnten.

          Savas ist Intellektueller, war Lehrer und Leiter aller Sekundarschulen auf Tinos, und hat im Eigenverlag mehrere Bücher zur Geschichte der Insel veröffentlicht. Er ist ein Konservativer mit starker religiöser Prägung und steht mir trotzdem sehr nah. Sein Fazit ist: Über Jahrhunderte sind wir so geworden wie wir sind und es braucht für eine Änderung Erziehung und viel Zeit. Aber die Zeit haben wir nicht.

          Das Leben im Dorf und im Hafenort geht normal weiter. An den wenigen Baustellen auf der Insel wird normal gearbeitet. Weder bilden sich Schlangen an den Bankautomaten, noch kommt es zu Noteinkäufen. Ohnehin haben die meisten Menschen wenige Transaktionen bei Banken. Sie zahlen vieles bar und auch den Lohn und die Renten heben sie ab, sobald das Geld auf dem Konto ist.

          Eines jedoch ist auffällig: An vielen Stellen etwa vor Hotels und Ferienanlagen sind in den letzten Tagen die Europaflaggen verschwunden und an ihrer Stelle ist die gelbe Flagge mit dem byzantinischen Doppeladler aufgezogen worden.

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