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Lassana Bathily : Der „Held von Paris“ wird Franzose

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Lassana Bathily ist Muslim, „Held von Paris“ und bald auch noch Franzose Bild: AFP

Seit er bei dem Terrorangriff auf einen jüdischen Supermarkt mehrere Menschen vor dem Geiselnehmer versteckte, wird Lassana Bathily aus Mali als „Held von Paris“ gefeiert. Nun wird dem muslimischen Zuwanderer die französische Staatsbürgerschaft verliehen.

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          Der nach der Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt als „Held von Paris“ gefeierte Lassana Bathily erhält die französische Staatsbürgerschaft. Der 24 Jahre alte Flüchtling aus Mali hatte während dem Angriff auf einen koscheren Supermarkt im Pariser Osten mehrere Kunden vor dem Terroristen Amédy Coulibaly versteckt. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve wird ihm nach Angaben seines Ministeriums am kommenden Dienstag in einer „Willkommenszeremonie“ die Staatsbürgerschaft verleihen. Nach der „Heldentat“ des jungen Mannes am vergangenen Freitag habe das Innenministerium angeordnet, den Antrag im Eilverfahren zu behandeln, sagte Cazeneuve. Bathily lebt seit 2006 in Frankreich und will seit dem vergangenen Jahr Franzose werden.

          Als der Geiselnehmer Coulibaly am vergangenen Freitag in den Supermarkt „Hyper Casher“ eindrang, flüchten einige Kunden im hinteren Bereich des Geschäfts in den Keller. Dort trafen sie Bathily, der in dem Laden arbeitete und sich als praktizierender Muslim mitten im Gebet befand. Als er Schüsse hörte, versteckte der junge Mann, der seit vier Jahren in dem Geschäft angestellt ist, die Gruppe im Kühlraum des Ladens und betreute die Menschen dort.

          „Sie wollten wissen, ob es einen Notausgang gibt“

          In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP betonte der junge Mann am Donnerstag, dass Religion für ihn bei der Rettungsaktion keine Rolle gespielt habe: „Ich habe keine Juden versteckt, ich habe Menschen versteckt.“ Als die Kunden die Treppe herunter stürmten, habe er „Kommt, kommt“ gerufen. „Sie wollten wissen, ob es einen Notausgang gibt“, berichtete Bathily weiter. „Ich habe ihnen gesagt, dass es eine Möglichkeit gibt: den Lastenaufzug.“ Die Kunden hätten aber Angst gehabt, der Aufzug könne zu viel Lärm machen und den Geiselnehmer auf sie aufmerksam machen.

          Während die anderen in dem abgeschalteten Kühlraum auf Rettung warteten, entkam der „Held von Paris“ über die Feuerleiter. Polizisten den Malier zunächst fest, weil sie sichergehen wollten, dass er kein Komplize des Geiselnehmers war. Eineinhalb Stunden trug Bathily Handschellen, bis seine Identität geklärt war. Dann half der Angestellte des Supermarkts den Eliteeinheiten der Polizei, einen Plan vom Inneren des Geschäfts zu zeichnen.

          Bei der Erstürmung des Supermarkts wurde Amédy Coulibaly, der zuvor vier Menschen getötet hatte, von der Polizei erschossen. Frankreichs Staatschef François Hollande und der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu dankten Lassana Bathily für seinen Einsatz.

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