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Zwei Jahre Papst Franziskus : Der Unberechenbare

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Der Eigensinn des Argentiniers zeigt sich auch darin, dass der Papst über einen erheblichen Teil seiner Zeit, vor allem an den Nachmittagen, komplett selbst verfügt. Niemand verdächtigt ihn, dass er in dieser Zeit faulenzt. Aber was genau er macht, welche Telefongespräche er führt, welche E-Mails er schreibt, mit wem er gerade welche Vereinbarungen trifft - das alles bleibt unklar und führt oft zu den vielbeklagten Pannen. Mindestens ein halbes Dutzend Mal sind Äußerungen, die der Papst als privat verstanden wissen wollte, später öffentlich geworden.

Die Empfänger von päpstlichen Briefen, Anrufen und E-Mails sind viel zu stolz, um damit nicht hausieren zu gehen. Doch bislang hat der Papst noch nicht akzeptiert, dass es für ihn kein Privatleben mehr gibt. Es ist auch schwierig, das Private vom Päpstlichen zu trennen, wenn Franziskus am Telefon einer geschiedenen Frau, der von einem Priester die Kommunion verweigert worden war, mal eben dazu rät, es doch demnächst bei einem anderen Pfarrer zu probieren.

Zweifel über die Ziele des Papstes

Selbst in der Kurie fällt, wenn über den Papst gesprochen wird, kein Satz so häufig wie dieser: „Hat er das wirklich gesagt?“ Man hält längst vieles für denkbar und rechnet immer mit dem Schlimmsten. Päpstliche Ausrutscher und sprachliche Missgeschicke sind von übler Nachrede und haltlosen Gerüchten immer schwerer zu trennen. Wollte der Papst allen Ernstes die Schweizergarde abschaffen, bis es ihm in langen Gesprächen gerade noch ausgeredet werden konnte? Schwer zu sagen, ob das stimmt; für möglich hält man es allemal.

Reform der Kurie: Nach der Weihnachtsansprache 2014 gab es die ersten bösen Worte.

Viele, die nach dem ersten, auch schon reichlich turbulenten Jahr noch hoffnungsvoll auf das neu begonnene Pontifikat geblickt hatten, zeigen sich inzwischen zerknirscht. Das liegt nicht nur an den verbalen Fehlgriffen des Papstes, sondern auch an einer wachsenden Unsicherheit, was er überhaupt will und ob er seiner Aufgabe gewachsen ist. Zwar wird nach wie vor positiv bewertet, wie herzlich Franziskus den Menschen begegnet, wie viel Zeit er sich für jeden Einzelnen nimmt und wie er weltweit Millionen mobilisiert, die sich jetzt wieder neu für den katholischen Glauben interessieren.

Doch immer hartnäckiger wird gefragt, welche Ziele Franziskus jenseits der medialen Effekte verfolgt. Die starke Orientierung an Gesten und Symbolen schien zu Beginn des Pontifikates verständlich, doch längst wachsen Zweifel, ob der Papst in der Lage ist, seine eigene Popularität für die Themen zu nutzen, die ihm am Herzen liegen: die Erneuerung des Glaubens, den Kampf gegen die Armut und den Schutz verfolgter Christen.

Und unklarer denn je ist, was der Papst genau unter Reformen versteht. Sein erstes Schreiben, das er mit dem ganzen Gewicht des katholischen Lehramtes verbindet, ist derzeit in Arbeit und soll im Frühjahr als Enzyklika unter dem Titel „Die Ökologie des Menschen“ erscheinen. Nach allem, was zu hören ist, wird er darin nahtlos an die Theologie seines Vorgängers Benedikt XVI., aber auch an die Thesen des Globalisierungskritikers Luis Antonio Tagle, dem jungen Erzbischof von Manila, anknüpfen.

Für die kirchliche Ausrichtung wichtiger als die Enzyklika ist aber ohne Zweifel der Ausgang der Bischofssynode im Herbst, wo die katholische Lehre zu Ehe und Familie neu formuliert werden soll. Konservative und Liberale streiten seit Monaten heftig über die Themen der Synode - doch auf keiner Seite durchblickt man bislang, was der Papst selbst eigentlich will. Ist es Machtkalkül oder Führungsschwäche, dem Streit tatenlos zuzusehen?

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