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Krim-Krise : Wie 1914?

  • -Aktualisiert am

„Unidentifizierbare“ Soldaten mutmaßlich russischer Herkunft auf der Krim Bild: dpa

Kann sich „1914“ noch einmal wiederholen? Kann Europa durch eine Verkettung unglückseliger Ereignisse noch einmal in einen Krieg gestürzt werden?

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          Vor wenigen Wochen war das Gedenkjahr 1914 noch eine Art Kontrastfolie, vor der das heutige, „zu seinem Glück vereinte“ Europa besonders hell leuchtete. Die Ereignisse in der Ukraine verweisen uns noch einmal auf die Banalität, dass die Europäische Union, in der es in der Tat trotz immer wieder aufkommender Konflikte und Spannungen notorisch friedlich zugeht, eben nicht das ganze Europa ist.

          Es gibt auf dem gern als alt bezeichneten Kontinent viele neue, oder wenigstens wieder entstandene Staaten, die sich ihres Friedens – des inneren wie des äußeren – keineswegs sicher sein können. Das gilt nach wie vor für Teile des Balkans, auf dem – wir haben es schon vergessen – immer noch westliche Ordnungskräfte für Sicherheit sorgen oder ganze Staaten wie Bosnien-Hercegovina unter internationaler Verwaltung stehen.

          Historische Analogieschlüsse können in die Irre führen

          Es gilt umso mehr für diejenigen Staaten, die sich aus dem ehemaligen Machtbereich des sowjetischen Imperiums emanzipiert haben oder ihre Eigenstaatlichkeit wieder erringen konnten. Die Reaktionen dort auf das militärische Eingreifen Russlands in der Ukraine, fast unverhüllt auf der Krim, zeigen, wie stark sich diese Staaten von ihrem einstigen Zwingherrn und immer noch übermächtigen Nachbarn bedroht fühlen – von Polen über das Baltikum bis nach Moldau oder Georgien. Krieg ist dort keine ferne Erinnerung, sondern eine Möglichkeit mit der zu rechnen ist, und die Russen haben dieses Bedrohtheitsgefühl – im Grunde gegen ihre Interessen – mit ihrer brutalen Ukraine-Politik noch einmal verstärkt.

          Kann sich also „1914“ noch einmal wiederholen? Kann Europa, kann die Welt durch eine Verkettung unglückseliger Ereignisse, gepaart mit partieller Blindheit der Regierenden, wie das der Historiker Christopher Clark und der Politologe Herfried Münkler in ihren Werken im Detail gezeigt haben, noch einmal in einen Krieg gestürzt werden? Historische Analogieschlüsse können in die Irre führen oder zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden.

          Doch viel spricht dafür, dass die Mechanismen zur Krisenbeherrschung, die nach dem Zweiten Weltkrieg und nach dem Zusammenbruch des Ostblocks erfunden wurden, den Ausbruch eines Großkonflikts verhindern werden. Doch wenn Putin zur Erreichung seiner Ziele weiterhin vor allem auf Gewalt setzt, wird die Ukraine womöglich die Zeche für den Nicht-Krieg bezahlen müssen.

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