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Krim-Konflikt : Die seltsame Geschichte des Evgenij Panow

Vorgeführt: Evgenij Panow im FSB-Video Bild: AP

Der russische Geheimdienst führt den angeblichen Verantwortlichen der angeblichen Terrorakte auf der Krim vor – Beweise bleibt Moskau weiter schuldig.

          Das Dunkel um die angeblichen „Terrorakte“ auf der Krim scheint sich ein wenig zu lichten, zumindest wenn man den Angaben des russischen Geheimdienstes Glauben schenken möchte. Wie die russische Zeitung „Kommersant“ am Freitag unter Berufung auf den russischen Inlandsgeheimdienst FSB berichtete, soll der mutmaßliche Anführer der Sabotageaktion, die die Sicherheitskräfte am Wochenende vereitelt haben wollen, mit seinen Verhörern kooperieren: Es handelt sich um den Ukrainer Evgenij Panow. Wie der FSB mitteilte, habe Panow unter anderem die Ziele genannt, die er auf der Krim habe angreifen wollen und auch Angaben zu seiner Person gemacht.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Panow soll in der Nacht zum Montag festgenommen worden sein, als der FSB dessen Gruppe von „Saboteuren“ auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim von einem „Terrorakt“ habe abhalten können. Bei Panow und seinen Mitstreitern seien Waffen sowie Sprengstoff gefunden worden, erklärte der FSB laut „Kommersant“. Der Geheimdienst ließ Panow vor Videokameras vorführen. Im FSB-Video berichtet Panow, er habe vorgehabt, Anschläge auf das Chemiewerk „Titan“ in Armjansk, auf die Gasspeicher in der Hafenstadt Feodossija, auf die Fähre über die Straße von Kertsch, auf eine Gas-Pipeline und auf einen Militärflughafen zu verüben. Diese Ziele habe er bei einem vorherigen Besuch der Halbinsel ausgewählt. Nach seiner Rückkehr nach Kiew habe er den Transport von Waffen und Sprengstoff auf die Krim organisiert, wo das Material versteckt worden sei. Der Plan sei gewesen, dass zwei Gruppen unerkannt über die Landenge von Perekop und den Sywaschsee auf die Krim fahren, das Material dort bergen und die Aktionen ausführen. Die beiden Gruppen seien jedoch vom Geheimdienst sowie russischen Truppen entdeckt und festgenommen worden. Panow selbst habe auf die „Saboteure“ in Armjansk gewartet, von wo aus sie in die Ukraine zurückkehren sollten. Doch anstatt der Mitstreiter sei plötzlich der FSB erschienen.

          Panow berichtet in dem Video weiter, er habe 2014 und 2015 auf ukrainischer Seite im Donbass gegen die prorussischen Rebellen gekämpft. In Kiew sei vom ukrainischen Militärgeheimdienst eine Gruppe zusammengestellt worden, die Sabotageakte auf der Krim verüben sollte. Er nannte dabei auch die Namen der Offiziere, die für ihn zuständig gewesen sein sollen. Der ukrainische Militärgeheimdienst wies die Anschuldigungen zurück. Vadim Skibizkij, ein Mitarbeiter des Dienstes, sagte in einem Fernseh-Interview, es habe seit zwei Jahren keine geheimdienstlichen Aktionen auf der von Russland kontrollierten Krim gegeben.

          Nachprüfbare Beweise für die angeblich geplanten „Terrorakte“ blieb Russland auch am Freitag schuldig. Die gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Moskau und Kiew dauern an. In der Nacht auf Freitag hatte sich auf Bitten der Ukraine der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, in dem die Ukraine derzeit nichtständiges Mitglied ist, bei einem Treffen in New York mit der Situation befasst. Der ukrainische UN-Botschafter Wolodymyr Jeltschenko sagte, die Russen hätten möglicherweise „schlechte Absichten“, während sein russisches Gegenüber die Ukraine vor „Sabotage und Terrorismus“ warnte.

          Sowohl in der Ukraine als auch in Russland wurden nach dem Treffen Überlegungen laut, die diplomatischen Beziehungen abzubrechen. Der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin sagte der ukrainischen Nachrichtenagentur Interfax, eine Aufhebung der Visumfreiheit für Russen sei möglich. Gleichzeitig spielte er die Bemerkung des russischen Präsidenten Wladimir Putin herunter, ein Treffen im Normandie-Format – Russland, Ukraine, Deutschland und Frankreich – zur Lösung der Ukraine-Krise beim G-20-Gipfel im September in China sei „sinnlos“. Klimkin sagte, es sei ohnehin „nur eine der Ideen für den Zeitrahmen“ gewesen. Die Außenminister könnten bereits im August zusammenkommen, so Klimkin. Es hänge aber davon ab, „dass wir bereit sind, zu konkreten Resultaten zu kommen“. Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Föderationsrates für auswärtige Angelegenheiten Wladimir Dschabarov sagte der Zeitung „Isvestija“ die Absage der Gespräche durch Wladimir Putin sei „absolut gerechtfertigt“. Es habe sich nämlich herausgestellt, dass es „auf der einen Seite die Imitation von Friedensgesprächen für den Donbass“ gebe, aber auf der anderen „einen Dolchstoß in den Rücken, Sabotage auf dem Territorium eines anderen Staates“.

          Auswirkungen auf die Kämpfe im Osten der Ukraine scheint die neue Auseinandersetzung zwischen Kiew und Moskau bislang nicht zu haben. Ein ukrainischer Militärsprecher sagte am Freitag, die Kampfhandlungen seien nicht intensiver geworden als in den Tagen zuvor.

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