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Krieg in der Ostukraine : Wer bricht den Waffenstillstand?

Die Redaktion hat deshalb ihre Auswertung auf die Fälle reduziert, die relativ klare Schlussfolgerungen erlauben. Dazu gehört die konkrete Zählung von Kratern und Geschossschäden auf beiden Seiten sowie die seltenen Fälle, in denen Artillerie beim Feuern direkt gesehen oder in nächster Nähe (nicht mehr als ein paar hundert Meter) gehört wurde. Hinzu kommen die Aufzeichnungen von zwei Kameras, die an den „Hotspots“ von Awdijiwka und Schyrokyne das Gefechtsfeld beobachten, und über deren Problematik noch zu reden sein wird. Spuren von Gewehr- oder Pistolenkugeln wurden nicht mitgerechnet.

Kameras bringen bessere Ergebnisse

Die Lage wird noch komplizierter durch die Behauptung beider Seiten, der Gegner schieße heimlich auf eigene Stellungen, um sich Vorwände für Angriffe zu schaffen. In der Tat sind im Berichtszeitraum einige Fälle aufgetreten, in denen die Analyse von Geschossschäden darauf hindeutet, dass der Schuss möglicherweise von eigenen Truppen stammte. Diese Fälle sind allerdings sehr selten, so dass die Redaktion sich dazu entschlossen hat, Einschläge im Gebiet einer der Konfliktparteien in der Regel dem Feuer der anderen zuzuschreiben. Die Redaktion ist sich bewusst, dass sie damit in der Kategorie „Artilleriefeuer“ nur die Spitze eines Eisbergs auswerten konnte, und dass Verzerrungen wahrscheinlich sind. Zählt man die Ergebnisse aller Frontabschnitte (außer zweier schmaler, von Kameras überwachten Streifen bei Schyrokyne und Awdijiwka) zusammen, ergibt sich, dass die Artillerie der Separatisten wohl häufiger feuert als die der Ukrainer.

Die Redaktion hat in den OSZE-Berichten etwa 520 Fälle von Artillerieschäden und Kratern auf dem Gebiet der prorussischen Milizen gezählt, auf der Seite der Regierungstruppen dagegen 850. Möglicherweise ist die Differenz sogar noch größer. Die Auswertung der OSZE-Tagesberichte lässt vermuten, dass die Beobachter Einschläge in Wohngebieten mit höherer Priorität untersuchen als solche auf freiem Feld. Weil aber die Separatistenseite der Front dichter besiedelt ist als die Regierungsseite, könnte das dazu führen, dass im Machtgebiet der Separatisten mehr Einschläge gezählt werden. Die Wirkung der ukrainischen Artillerie erscheint dadurch möglicherweise durch die Zählweise verstärkt.

Einige (sehr begrenzte) Frontabschnitte aber werden von Kameras überwacht. Hier ist die Beobachtungslage grundlegend anders als an allen anderen Orten: Weil Kameras die Flugrichtung von Geschossen erkennen können, und weil sie Einschlagsorte genauer registrieren als die Beobachtertrupps, die oft nur in eine schwer definierbare Wolke von Gefechtsdonner hineinhorchen, ist an diesen Brennpunkten die Beobachtung weit dichter als anderswo – so hat etwa die Kamera von Schyrokyne allein mehr auswertbare Ereignisse erbracht als die Beobachter an allen anderen Frontabschnitten zusammen. Wo eine Kamera steht, wird ein kleiner Ausschnitt des Gefechtsfelds gewissermaßen mit dem Teleskop untersucht.

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