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Krieg in der Ostukraine : Wer bricht den Waffenstillstand?

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Um festzustellen, wie genau die Waffenruhe gebrochen wird, hat FAZ.NET ein Kriterienbündel festgelegt, dessen einzelne Parameter Unterschiede im Vorgehen der Konfliktparteien erkennen lassen.

So sind die Beobachter der OSZE bei ihrer Tätigkeit um ein Vielfaches öfter von separatistischen Kämpfern behindert oder bedroht worden als von ukrainischen Soldaten. Etwa dadurch, dass sie an einem Checkpoint an der Weiterfahrt gehindert wurden. Hierzu zählen auch der Ausfall einer Beobachtungskamera auf Separatistengebiet und die häufigen Abstürze von OSZE-Drohnen auf besetztem Gebiet. Diese Störungen müssen bei der Bewertung aller anderen Befunde berücksichtigt werden. Wo die Beobachter behindert werden, können sie weder verbotene Waffensysteme zählen, noch feuernde Artillerie registrieren.

Die Kriegführung der Separatisten kostet vermutlich auch mehr Menschen das Leben als die der ukrainischen Streitkräfte. Deutlich höheren militärischen Verlusten der Ukrainer steht dabei die von der OSZE verzeichnete größere Opferzahl unter Zivilisten in den von den prorussischen Rebellen gehaltenen Gebieten gegenüber.

Trotz zahlreicher Behinderungen in ihrer Tätigkeit hat die OSZE in den von Separatisten besetzten Gebieten deutlich mehr verbotene Waffensysteme beobachtet als auf ukrainischer Seite.

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Die Kämpfer der „DPR“ und der „LPR“ haben im Beobachtungszeitraum öfter als die ukrainischen Streitkräfte territoriale Vorstöße unternommen. Die Fälle waren im Untersuchungszeitraum zwar selten, aber sie passen in ein Muster des permanenten Landgewinns in kleinen Schritten, durch den die prorussische Seite ihr Territorium seit dem ersten Waffenstillstand vom September 2014 um etwa 5000 Quadratkilometer ausgeweitet hat. Das entspricht etwa der Fläche des Saarlandes und Luxemburgs.

In diesem vor allem von der Artillerie geprägten Krieg hat die OSZE tausende von Kratern und Einschlagspuren auf beiden Seiten gezählt, sowie Geschütze unmittelbar beim Feuern beobachtet. An den meisten Frontabschnitten schießen die prorussischen Separatisten offenbar deutlich häufiger. Nur an einem Frontabschnitt überwiegt die ukrainische Artillerietätigkeit: Östlich der Hafenstadt Mariupol, am Asowschen Meer.

Ein Mitglied der OSZE-Sonderbeobachtermission zählt im Februar 2015 ukrainische Militärfahrzeuge in der Ostukraine.

Diese Befunde sind nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was in der Ostukraine täglich passiert. Wie in jedem Konflikt senkt sich auch in der Ostukraine der Nebel des Krieges auf die Ereignisse. Die Ausgangsdaten sind notgedrungen oft vage. Vor allem bei der Beobachtung von Artilleriefeuer gibt es eine gewaltige Dunkelziffer: Explosionen, welche die OSZE zwar hört und zählt, aber keiner Seite zuordnen kann, weil die Beobachter wegen der akuten Lebensgefahr auf den besonders umkämpften Frontabschnitten zu weit entfernt stehen, oder weil die gegnerischen Linien zu nahe aneinander liegen. Um nicht den Eindruck einer falschen Genauigkeit zu erwecken, veröffentlicht FAZ.NET deshalb nur gerundete Zahlen. Die Schwierigkeiten von Beobachtung und Auswertung erläutert ein gesonderter Text.

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