https://www.faz.net/-gq5-8k41c

Krieg in der Ostukraine : Wer bricht den Waffenstillstand?

Öffnen

Um festzustellen, wie genau die Waffenruhe gebrochen wird, hat FAZ.NET ein Kriterienbündel festgelegt, dessen einzelne Parameter Unterschiede im Vorgehen der Konfliktparteien erkennen lassen.

So sind die Beobachter der OSZE bei ihrer Tätigkeit um ein Vielfaches öfter von separatistischen Kämpfern behindert oder bedroht worden als von ukrainischen Soldaten. Etwa dadurch, dass sie an einem Checkpoint an der Weiterfahrt gehindert wurden. Hierzu zählen auch der Ausfall einer Beobachtungskamera auf Separatistengebiet und die häufigen Abstürze von OSZE-Drohnen auf besetztem Gebiet. Diese Störungen müssen bei der Bewertung aller anderen Befunde berücksichtigt werden. Wo die Beobachter behindert werden, können sie weder verbotene Waffensysteme zählen, noch feuernde Artillerie registrieren.

Die Kriegführung der Separatisten kostet vermutlich auch mehr Menschen das Leben als die der ukrainischen Streitkräfte. Deutlich höheren militärischen Verlusten der Ukrainer steht dabei die von der OSZE verzeichnete größere Opferzahl unter Zivilisten in den von den prorussischen Rebellen gehaltenen Gebieten gegenüber.

Trotz zahlreicher Behinderungen in ihrer Tätigkeit hat die OSZE in den von Separatisten besetzten Gebieten deutlich mehr verbotene Waffensysteme beobachtet als auf ukrainischer Seite.

Öffnen

Die Kämpfer der „DPR“ und der „LPR“ haben im Beobachtungszeitraum öfter als die ukrainischen Streitkräfte territoriale Vorstöße unternommen. Die Fälle waren im Untersuchungszeitraum zwar selten, aber sie passen in ein Muster des permanenten Landgewinns in kleinen Schritten, durch den die prorussische Seite ihr Territorium seit dem ersten Waffenstillstand vom September 2014 um etwa 5000 Quadratkilometer ausgeweitet hat. Das entspricht etwa der Fläche des Saarlandes und Luxemburgs.

In diesem vor allem von der Artillerie geprägten Krieg hat die OSZE tausende von Kratern und Einschlagspuren auf beiden Seiten gezählt, sowie Geschütze unmittelbar beim Feuern beobachtet. An den meisten Frontabschnitten schießen die prorussischen Separatisten offenbar deutlich häufiger. Nur an einem Frontabschnitt überwiegt die ukrainische Artillerietätigkeit: Östlich der Hafenstadt Mariupol, am Asowschen Meer.

Ein Mitglied der OSZE-Sonderbeobachtermission zählt im Februar 2015 ukrainische Militärfahrzeuge in der Ostukraine.

Diese Befunde sind nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was in der Ostukraine täglich passiert. Wie in jedem Konflikt senkt sich auch in der Ostukraine der Nebel des Krieges auf die Ereignisse. Die Ausgangsdaten sind notgedrungen oft vage. Vor allem bei der Beobachtung von Artilleriefeuer gibt es eine gewaltige Dunkelziffer: Explosionen, welche die OSZE zwar hört und zählt, aber keiner Seite zuordnen kann, weil die Beobachter wegen der akuten Lebensgefahr auf den besonders umkämpften Frontabschnitten zu weit entfernt stehen, oder weil die gegnerischen Linien zu nahe aneinander liegen. Um nicht den Eindruck einer falschen Genauigkeit zu erwecken, veröffentlicht FAZ.NET deshalb nur gerundete Zahlen. Die Schwierigkeiten von Beobachtung und Auswertung erläutert ein gesonderter Text.

Weitere Themen

Lambrecht warnt vor Rechtsextremismus Video-Seite öffnen

Künftige Justizministerin : Lambrecht warnt vor Rechtsextremismus

Der „unfassbare Mord“ an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke zeige, dass die Verteidigung des Rechtsstaates aktueller denn je sei, sagte die SPD-Politikerin Christine Lambrecht, die von der Parteiführung als kommende Justizministerin vorgestellt wurde.

Der Kampf gegen die Braunkohle Video-Seite öffnen

Aktivisten von „Ende Gelände“ : Der Kampf gegen die Braunkohle

Im rheinischen Braunkohlerevier stehen die Zeichen dieser Tage auf Protest. Aktivisten der Initiative „Ende Gelände“ haben zu verschiedenen Protestaktionen aufgerufen. Nun hat sich auch die Schülerbewegung „Fridays for Future“ mit „Ende Gelände“ solidarisiert.

Topmeldungen

Wirft hin: Patrick Shanahan wird nicht amerikanischer Verteidigungsminister.

Rückzug von Shanahan : Keine Ruhe im Pentagon

Mitten in der Iran-Krise verliert Donald Trump seinen amtierenden Verteidigungsminister. Der Wunschkandidat des Präsidenten hat sich zurückgezogen – wegen eines „traumatischen Kapitels“ in seinem Familienleben.
Der 22 Jahre alte Ali B. dementiert weiterhin die Vergewaltigung von Susanna F.

Psychiaterin über Ali B. : Egozentrisch, manipulativ, empathielos

Im Prozess um die getötete Schülerin Susanna F. aus Mainz berichtet wenige Wochen vor dem Urteilstermin die psychiatrische Gutachterin. Den angeklagten Ali B. beschreibt sie als faulen und frauenverachtenden Mann, der in seinem Leben immer nur an sich selbst gedacht habe.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.