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Strafverfahren gegen Sarkozy : Die Rache der kleinen Erbsen

Will ein Franzose unter Franzosen sein: Sarkozy mit seiner Frau Carla Bruni-Sarkozy im März 2014 Bild: REUTERS

Nicolas Sarkozy hat sich in einem Geflecht aus Spendenaffären und anderen Geschichten verheddert. Im jüngsten Fall kamen ihm die Untersuchungsrichter nur durch Zufall auf die Schliche.

          Ihren Politikern trauen die Franzosen vieles zu, nur Anstand und Rechtschaffenheit eher nicht. Deshalb hält sich die Erschütterung über das Schicksal ihres früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy in Grenzen. Das bedeutet nicht, dass es sie gänzlich kalt gelassen hätte, dass ihr „Ex“ fünfzehn Stunden in einem schäbigen Betonbau in der Vorstadt Nanterre wie ein gewöhnlicher Verbrecher in Polizeigewahrsam verbracht hat.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Den Sitz der zentralen Behörde für Korruptions- und Finanzkriminalitätsbekämpfung hatte Sarkozy einst als Innenminister besucht, und alle Beamten standen damals stramm. Jetzt aber hat sich der 59 Jahre alte frühere Staatsmann mit dem Drei-Tage-Bart von den Ermittlern unter schwerem Korruptionsverdacht verhören lassen müssen. Es war nur ein schwacher Trost, dass auch sein Anwalt Thierry Herzog und Gilbert Azibert, einer der höchsten französischen Richter, festgesetzt und in Polizeigewahrsam Rede und Antwort stehen mussten.

          Die Rolle des gewöhnlichen Bürgers liegt ihm nicht

          Am Abend seiner Wahlniederlage 2012 hatte Sarkozy prophezeit, er werde fortan nur noch „ein Franzose unter Franzosen“ sein. Da ahnte er nicht, dass dem Citoyen Sarkozy schon bald die Richter auf den Fersen sein würden. Überhaupt liegt ihm die Rolle des gewöhnlichen Bürgers nicht. Deshalb lud er sich, kaum hatte er das Polizeirevier verlassen, am Mittwoch in die Abendnachrichten des Privatfernsehsenders TF1 und des Radiosenders Europe 1 ein.

          Das Interview wurde am Nachmittag von zwei von Sarkozy ausgewählten Journalisten geführt und aufgezeichnet. Zuletzt hatte der russische Präsident Wladimir Putin die Dienste der beiden Journalisten in Anspruch genommen. Es erzürnt Sarkozy besonders, dass das in der Nacht zum Mittwoch gegen ihn eröffnete Strafverfahren wegen „Korruption, illegaler Einflussnahme und Bruchs des Ermittlungsgeheimnisses“ ein Zufallsprodukt ist. „Die Bastarde“, wie Sarkozy die Untersuchungsrichter kürzlich nannte, hatten eine polizeiliche Überwachung seiner Telefongespräche erwirkt.

          Die Abhörmaßnahme sollte sachdienliche Hinweise auf eine mögliche illegale Finanzierung des Präsidentschaftswahlkampfes 2007 bringen. Das war ein durchaus kurioses Unterfangen der Ermittler. Denn das mutmaßliche Schwarzgeld sollte vom 2011 getöteten libyschen Diktator Mohammed Gaddafi in die Kassen des Kandidaten Sarkozy geflossen sein.

          Als „Paul Bismuth“ sprach er deutliche Worte

          Nun ist es schwer vorstellbar, dass Gaddafi sich aus dem Jenseits mit Sarkozy über die Millionen am Telefon unterhält. In jedem Falle wurde der Abhörantrag der Untersuchungsrichter im vergangenen Jahr genehmigt. Die Untersuchung über Gaddafis mutmaßliche Spende brachte das aber nicht voran. Stattdessen entdeckten die Fahnder, dass der frühere Hüter der Verfassung mit seinem Anwalt zu sonderbaren Kommunikationsmethoden griff. Unter Decknamen hatte das Duo aus Anwalt und Mandant Mobiltelefone in der Mittelmeermetropole Nizza erstanden, die sie für vertrauliche Gespräche nutzten.

          Über die den Ermittlern bekannten Leitungen mimte der frühere Präsident den „elder statesman“, der sich über den Verfall der Sitten Sorgen machte. Doch als „Paul Bismuth“ sprach Sarkozy deutliche Worte. Ob „notre ami“, „unser Freund“ endlich vorangekommen sei? Gemeint war der Richter am Kassationshof Gilbert Azibert, der vorgeschickt wurde, um Sarkozys Terminkalender aus den Fängen der Justiz loszueisen. Azibert intervenierte, weil er sich davon einen Posten in Monaco versprach. Gegen Azibert wurde auch ein Strafverfahren wegen Korruption eröffnet.

          Aufruhr im Justizsystem

          Die Justiz hatte die Terminkalender des Präsidenten bei ihren Ermittlungen um die L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt beschlagnahmt. Das Verfahren wegen „Ausnutzung von Schwäche“ der greisen Milliardärin durch Sarkozy war im vergangenen Oktober wegen Mangel an Beweisen eingestellt worden. „Sie haben nichts gefunden und sie werden nichts finden“, triumphierte Sarkozy damals. Zuvor hatte Untersuchungsrichter Jean-Michel Gentil (zu deutsch: der Nette) Sarkozy in einem Verhör stundenlang zu einem Geständnis bewegen wollen.

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