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Präsidentenwahl : Hofer liegt ohne Ergebnisse der Briefwahl knapp vor Van der Bellen

Wer wird der Sieger sein? Van der Bellen und Hofer (r.) beim TV-Duell vergangene Woche Bild: dpa

Kopf-an-Kopf-Rennen in Österreich: Nach Auszählung der Stimmen hat FPÖ-Kandidat Norbert Hofer einen knappen Vorsprung vor seinem Konkurrenten von den Grünen. Das Ergebnis der Briefwahl könnte das Ergebnis am Montag aber noch einmal drehen.

          In Österreich hat sich bei der Wahl des Staatsoberhaupts am Sonntag ein äußerst enges Ergebnis gezeigt. Sowohl FPÖ-Kandidat Norber Hofer, als auch der zweiten Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, der Grünen-Politiker Alexander Van der Bellen liegen nach Auszählung der Stimmen bei etwa 50 Prozent. Das vorläufige Endergebnis ohne die Voten der Briefwähler weist für Hofer 51,9 Prozent und für Van der Bellen 48,1 Prozent aus. Gewissheit über den Ausgang wird aber erst am Montag herrschen, da in den Prognosen für die Briefwähler der Grünen-Politiker wohl noch aufholen wird (siehe Grafik).

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Historisch ist das Wahlergebnis in jedem Fall, da Österreich erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht von einem von SPÖ oder ÖVP aufgestellten Bundespräsidenten vertreten wird. Die Kandidaten dieser beiden traditionellen Volksparteien waren im ersten Wahlgang mit schwachen Ergebnissen ausgeschieden.

          Wahlbeteiligung von etwa 72 Prozent

          Die Beteiligung an der Direktwahl lag mit etwa 72 Prozent deutlich höher als bei den zurückliegenden Bundespräsidentenwahlen – ein Zeichen für die Polarisierung bei dieser Auseinandersetzung, die nicht nur von den beiden Kontrahenten als Richtungswahl bezeichnet worden ist. Die Unsicherheit über den Wahlausgang resultiert aus der hohen Zahl an Wahlkarten, mit denen eine Briefwahl oder eine Wahl außerhalb des eigenen Heimatsprengels ermöglicht wird. Etwa jeder siebte der 6.382.507 wahlberechtigten Österreicher hatte vorab eine Wahlkarte beantragt. Traditionell kommen die Stimmen von Briefwählern überdurchschnittlich den Grünen und unterdurchschnittlich der FPÖ zugute. Allerdings hatten die demoskopischen Institute versucht, diesen Effekt bereits in ihre Hochrechnungen einzubeziehen.

          Während sich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, ein luxemburgischer Christdemokrat, am Freitag dezidiert gegen eine Wahl Hofers ausgesprochen hatte und erklärte, mit Rechtspopulisten könne man nicht zusammenarbeiten, ließ sich am Wochenende der deutsche Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) mit der Zusicherung vernehmen, Deutschland würde eine Wahl Hofers zum österreichischen Bundespräsidenten respektieren. „Wie auch immer es ausgeht, werden wir selbstverständlich mit dem gewählten Staatspräsidenten ein ordentliches, faires Verhältnis haben“, sagte Lammert im Deutschlandfunk. Das  werde genauso wie mit anderen Staaten geschehen, die für Deutschland als Partner wichtig seien, sagte der christdemokratische Politiker. „Übrigens darunter auch solchen Staaten, bei denen es begründete Zweifel an der demokratischen Legitimation der jeweiligen Staatspräsidenten gibt.“

          Die Hochrechnung mit Briefwahlprognose nach Auszählung der am Sonntag abgegeben Stimmen.

          Lammert sagte, er fühle sich auch nach den jüngsten Entwicklungen in Österreich sehr in seiner Zurückhaltung bestätigt, was die vermeintliche Überlegenheit plebiszitärer Wahlverfahren gegenüber repräsentativen Verfahren betreffe. „Oder mit anderen Worten: Ich bin heilfroh, dass wir in Deutschland den Bundespräsidenten in einer eigens zu diesem Zweck zusammengerufenen Bundesversammlung wählen und nicht in einer Direktwahl.“

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