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Anschläge in Kopenhagen : Terror nach französischem Vorbild

Appelle an den Zusammenhalt: die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt am Sonntag am Tatort Bild: Reuters

Wieder war der Täter der Polizei bekannt. Der Attentäter von Kopenhagen soll ein Einzelgänger gewesen sein, geboren in Dänemark. Womöglich wurde er durch den Anschlag auf „Charlie Hebdo“ inspiriert. Was bislang über den Mann bekannt ist.

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          Die Jagd auf den Attentäter endet noch vor Sonnenaufgang. Am frühen Sonntagmorgen wollen dänische Polizisten einen Mann nahe dem Kopenhagener Bahnhof „Nörrebro“ kontrollieren. Er eröffnet das Feuer, die Polizisten schießen zurück. Der Mann, der Kopenhagen für viele Stunden in den Ausnahmezustand versetzt hat, wird tödlich getroffen. Zwei Menschen hat er zuvor erschossen, fünf Polizisten verletzt. Er hat den Terror nach Dänemark gebracht. Doch auch nach seinem Tod bleiben viele Fragen offen.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Die ersten Schüsse in der dänischen Hauptstadt fallen am Samstagnachmittag. „Krudttönden“, das „Pulverfass“, ist ein Kulturzentrum im Norden der Stadt, in der Nähe eines großen Parks gelegen. Auf dem Programm steht eine Diskussionsveranstaltung zum Thema „Kunst, Blasphemie und Meinungsfreiheit“. Dem Programm nach soll es um Fragen gehen wie „Wo ist die Grenze?“, „Gibt es eine Grenze?“ und auch: „Soll man als Künstler oder Aktivist sein Leben aufs Spiel setzen?“ Eintritt: 75 Kronen.

          Neben einer Künstlerin aus Großbritannien und einer Femen-Aktivistin aus Frankreich sitzt auch Lars Vilks auf dem Podium. Vilks ist Schwede. Seitdem er im Jahr 2007 den Propheten Mohammed als Hund karikiert hat, wird sein Leben von Islamisten bedroht. Immer wieder war der 68 Jahre alte Künstler Ziel von Anschlägen, Anschlagplanungen, Anschlagsphantasien. Ein Al-Qaida-Ableger im Irak hat ein Kopfgeld von 150.000 Dollar auf ihn ausgesetzt. Molotowcocktails wurden schon in sein Haus geworfen, bei einer Vorlesung an der Universität von Uppsala wurde er einmal angegriffen und verletzt. Vilks wird von Personenschützern begleitet.

          Anschlag auf „Charlie Hebdo“ kopiert?

          Die Diskussion findet im Cafe des Kulturzentrums statt, die Eingangstüren sind aus Glas, auch große Glasflächen drumherum geben den Blick nach innen frei. Die Femen-Aktivistin beginnt ihre Rede, dann schießt ein vermummter Mann von außen in das Cafe mit einer automatischen Waffe. Zeugen und Polizei berichten von etwa dreißig Schüssen. Bilder zeigen mehrere Einschusslöcher in den Fenstern und der Tür. Vilks soll sich mit einer der Organisatorinnen der Veranstaltung in einem Kühlraum in Sicherheit gebracht haben. Ein 55 Jahre alter Mann, ein Filmemacher, wie es später heißt, wird getötet, drei Polizisten verletzt. Die Leibwächter von Vilks erwidern das Feuern. Der Attentäter flieht in einem gestohlenen VW Polo.

          Kurz darauf meldet der französische Botschafter, der ebenfalls zu Gast war, über „Twitter“: „Noch am Leben in dem Raum.“ Auch Vilks bleibt unversehrt. Dieser Anschlag, so wird schnell vermutet, hat ihm gegolten. Im Januar erst wurden zwölf Menschen bei einem Terroranschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ getötet, die Mohammed-Karikaturen gedruckt hatte. Fünf weitere Menschen wurden kurz darauf bei einem Anschlag auf einen jüdischen Supermarkt erschossen. Der französische Botschafter wird später mit den Worten zitiert, es sei versucht worden, den Anschlag auf „Charlie Hebdo“ zu kopieren. Eine Organisatorin sagt der Nachrichtenagentur AP: „Ich betrachte das eindeutig als Anschlag auf Lars Vilks.“

          Kein Bekennerschreiben, kein Video im Netz

          Eine Bestätigung dafür gibt es zunächst aber nicht. Kein Bekennerschreiben oder Video, auch der Attentäter selbst ruft nichts, was seine Motivation verraten hätte. Einige Meldungen gibt es, dass der Täter Dänisch gesprochen habe. Die Polizei sucht nach einem Mann, 25 bis 30 Jahre alt, 1,85 Meter groß, schwarze Haare, arabisches Aussehen. Auf Bildern, die sie veröffentlicht, trägt der Mann eine rote Mütze. Die Tat wird als Terror eingestuft, die Polizei ermittelt in diese Richtung.

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