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Kommentar : Große Diplomatie

  • -Aktualisiert am

Der Besuch Assads in Moskau zeigt, dass der Krieg in Syrien noch eine Weile andauern wird. Die Reaktion des Auswärtigen Amtes darauf ist unzureichend.

          Der Besuch des syrischen Präsidenten in Moskau offenbart einiges; zum Beispiel, dass Putin den Gewaltherrscher nicht so schnell fallen lassen wird, wie das viele im Westen immer noch hoffen. Oder dass Assad wahrscheinlich Angst vor einer Palastrevolte hat, weil seine Visite geheim gehalten werden musste. Oder dass es nun endgültig keinen Zweifel mehr geben kann, dass er sich völlig in Moskaus Hände gegeben hat.

          Vor allem aber zeigt das Treffen, dass die beiden fürs Erste auf eine militärische Lösung setzen, was den Flüchtlingsstrom nach Deutschland weiter anschwellen lässt. Und was sagt das Auswärtige Amt dazu? Die Kriegführung der syrischen Armee sei völkerrechtswidrig, und man hoffe, dass das in Moskau zur Sprache gekommen sei.

          Genau, möchte man da dem Auswärtigen Amt zurufen: Der große Völkerrechtler im Kreml sollte Assad einfach eine schöne, gebundene Ausgabe der UN-Charta zukommen lassen, dann wird endlich alles gut in diesem Konflikt, der das syrische Volk ins Unglück gestürzt hat – und Europa an die Grenzen des Zusammenhalts treibt.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

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