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Kommentar : An Russland vergriffen?

Russland sieht sich nach dem Abschuss seines Kampfbombers in der Opferrolle. Doch unschuldig an dem Zwischenfall war es nicht. Das liegt auch daran, dass der Kreml mit zweierlei Maß misst.

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          Der Sprecher des Kreml hat ein Verbotsschild aufgestellt: „Es ist verboten, sich an Russland zu vergreifen.“ Wer das Verbot missachtet, der wird bestraft und wie jetzt die Türkei mit Sanktionen belegt. Klarer Fall! Wirklich? Hat sich die Türkei wirklich an Russland vergriffen, als sie einen Jagdbomber abschoss, der sich im türkischen Luftraum befand und dessen Besatzung mehrfach aufgefordert worden war, den Kurs zu ändern?

          Russland, das Präsident Putin zu einer Größe führen möchte, die andere in Angst erstarren lässt und zu vorauseilender Willfährigkeit treibt, gibt das unschuldige Opfer eines Zwischenfalls, den viele kommen sahen, weil Russland Stellungen von Assad-Gegnern in unmittelbarer Nähe der Grenze zur Türkei bombardierte. Moskau findet ja auch nichts dabei, Bomber in West- und Nordeuropa auf gefährliche Routen zu schicken, um seine Macht zu demonstrieren.

          An Russland darf sich niemand vergreifen – als ob das einer täte und wollte. Aber Russland an anderen schon. Siehe die Ukraine. Man kann bezweifeln, dass der Abschuss klug war. Aber Ankara war nicht der Provokateur.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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