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Kommentar : Orbáns kleine Krise

Erfolgsverwöhnt: Victor Orbán, ungarischer Ministerpräsident Bild: AFP

Die erfolgsverwöhnte Regierungspartei Fidesz verliert in Ungarn an Zustimmung - doch die linke und liberale Opposition kann davon nicht profitieren. Das sind keine schönen Aussichten.

          Das Ergebnis der Nachwahl in Ungarn am Sonntag ist zwar eine Niederlage der Partei von Ministerpräsident Victor Orbán, aber es ist kein Sieg der Opposition: Ein Parteiloser hat davon profitiert, dass viele Wähler der Regierungspartei Fidesz zu Hause geblieben sind.

          Während Orbán und seine Partei im ganzen Land an Zustimmung verlieren, gelingt es der linken und liberalen Opposition nicht, sich den Ungarn als Alternative zu präsentieren. Wer über Orbán schimpft, darf die Gründe für den Erdrutschwahlsieg nicht vergessen, der ihm vor fünf Jahren erstmals die nun verlorene Zwei-Drittel-Mehrheit eingebracht hat: eine schier endlose Serie unterschiedlicher Affären, mit denen sich die sozialistisch-liberale Vorgängerkoalition selbst beschäftigte, während Ungarn immer tiefer in die Krise rutschte.

          Ihre Glaubwürdigkeit haben diese Kräfte, die sich auch in der Opposition in allerlei taktischen Spielchen ergehen, noch nicht wieder erlangt. Die einzige Partei, die noch unverbraucht wirkt und von Orbáns kleiner Krise profitiert, sind die Rechtsextremisten von Jobbik. Das sind keine schönen Aussichten.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

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