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Frankreich : Le Pen gestoppt

  • -Aktualisiert am

Aufhaltsamer Aufstieg: Marine Le Pen (Front National) am Sonntagabend im nordfranzösischen Henin-Beaumont Bild: AP

Im entscheidenden Moment konnte Marine Le Pen nicht genug Anhänger mobilisieren. Damit ist auch ihr Weg in die Mitte der bürgerlichen Gesellschaft vorerst gescheitert.

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          Der Front National bleibt vorerst eine Protestpartei. Das ist die vielleicht wichtigste Botschaft des denkwürdigen zweiten Wahlgangs der französischen Regionalwahlen. Wäre es der Partei gelungen, in den Regionen Regierungsverantwortung zu übernehmen, dann hätte sie – trotz geringer Kompetenzen – einen weiteren Schritt auf dem Weg der Verankerung im Alltag der Franzosen und der Verwaltung des Landes getan. Selbst in einem Zentralstaat wie Frankreich ist die Präsenz in der Fläche eine wichtige Voraussetzung, um in das Präsidentenamt zu gelangen.

          Doch die Franzosen sind trotz aller Krisen offenbar (noch) nicht bereit dazu, Le Pen so weit zu tragen. Der Anstieg der Wahlbeteiligung, der viel zur Niederlage des FN beitrug, zeigt, dass die Galionsfigur der Rechtspopulisten im entscheidenden Moment nicht genug Anhänger mobilisieren kann. Das ist auch ein Rückschlag für ihre Strategie, die Partei vom rechten Rand in Richtung der bürgerlichen Mitte zu rücken.

          Frankreich politisch dreigeteilt

          Frankreich bleibt nach dieser Wahl ein politisch dreigeteiltes Land. Keine der wichtigsten politischen Parteien kann aus heutiger Sicht darauf vertrauen, dass ihr Kandidat bei der Präsidentenwahl 2017 die zweite Runde erreicht – auch der FN nicht, der sich das Ergebnis nun in absoluten Zahlen schönredet.

          Das dürfte noch in jedem Lager zu intensiven Diskussionen führen, nicht nur bei Sarkozys Republikanern. Der frühere Präsident setzt schon lange auf eigene Stärke statt auf ein Niederhalten des FN durch großkoalitionäre Bündnisse mit den Sozialisten. Da das zum Teil mit der Annäherung an die Inhalte der Rechtspopulisten einhergeht, bleibt es eine Gratwanderung.

          Die Sozialisten werden sich fragen müssen, warum nicht einmal ihre vernünftige Reaktion auf die Pariser Terroranschläge zu einem besseren Abschneiden geführt hat. Der atemberaubende Aufschwung des FN in den vergangenen zwei Jahren hat seine Wurzeln in der Reformunfähigkeit der alten französischen Machtelite. Deren Beharrungsvermögen werden die Franzosen nicht vergessen, auch wenn sie ihren Politikern am Sonntag gezeigt haben, dass sie die Liberalität ihres Landes und seinen Platz in Europa noch nicht aufgegeben haben.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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