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Kommentar : Für eine Entwarnung ist es zu früh

  • -Aktualisiert am

Enttäuschte FN-Anhänger in Metz Bild: Reuters

Der Front National geht leer aus. Das ist eine gute Nachricht, doch die etablierten Parteien sollten den Warnruf der FN-Wähler nicht zu schnell vergessen.

          1 Min.

          Auf den Tag genau einen Monat nach den Terroranschlägen in Paris haben die Franzosen sich mehrheitlich gegen Abschottung und Argwohn gegen Fremde entschieden. Der Front National geht – wie bereits bei den Departementswahlen im März – leer aus. Keine der 13 neuen französischen Großregionen wird in den nächsten sechs Jahren von den Rechtspopulisten um Marine Le Pen geführt werden. Das ist eine gute Nachricht, insbesondere für die grenznahe Region Elsass-Champagne-Ardenne-Lothringen, die viele grenzüberschreitende Projekte mit dem Saarland und Baden-Württemberg verbindet. Der „Schock“ über das gute Abschneiden des EU-feindlichen Front National im ersten Wahlgangs hat offenbar viele Nicht-Wähler am Sonntag aus der Reserve gelockt. Die Wahlbeteiligung stieg laut ersten Erkenntnissen um fast zehn Prozentpunkte. Die Franzosen haben nicht vergessen, was sie ihrer eigenen Geschichte als eine der ältesten europäischen Demokratien schulden.

          Doch sollte die Absage an die Rechtspopulisten nicht als Freibrief der Wähler an die siegreichen Parteien missverstanden werden. Das gilt für die vom früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy geführte Partei der Republikaner ebenso wie für die regierenden Sozialisten. Der Missmut, der Marine Le Pen sechs Millionen Wähler zutrieb, ist nicht mit einem Mal verschwunden. Der Front National ist inzwischen im ganzen Land verankert. Nur die Bündnisunfähigkeit der Partei hindert diese noch an der Machtausübung. Für eine Entwarnung ist es deshalb zu früh.

          Gut eineinhalb Jahre vor der Präsidentenwahl gibt das Ergebnis ein genaues politisches Stimmungsbild. Die Sozialisten erhalten damit eine noch eher sanfte Quittung für ihre Regierungsleistung, von der viele Franzosen sehr enttäuscht sind. Aber auch die Republikaner müssen die Wähler erst noch davon überzeugen, dass sie in der Lage sind, Frankreich endlich aus der Beschäftigungs- und Wachstumskrise zu führen. Sie sollten nicht vergessen, dass sie ihren Sieg gegen Marine und Marion Maréchal Le Pen in den zwei symbolischen Regionen im Norden und im Süden nur den Rückzugsmanövern der Sozialisten verdanken. Die etablierten Parteien sollten den Warnruf der FN-Wähler nicht zu schnell vergessen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

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