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Kommentar : Gift für Europa

Die Griechenland-Krise droht einen Keil zwischen die Völker Europas zu treiben. Und auch auf höchster Ebene sind die Repräsentanten nicht gut auf sich zu sprechen – mit Folgen für den Kontinent.

          Die Griechen fühlen sich gedemütigt, umgekehrt fühlen sich viele Leute in den Ländern, welche die Hilfspakete schnüren, für dumm verkauft. Diese Gefühlskollision wiederholt sich auf höchster politischer Ebene: EU-Kommissionspräsident Juncker wirft dem Ministerpräsidenten Tsipras vor, er belüge sein Volk, der wiederum wirft dem IWF, damit auch den europäischen Institutionen, eine kriminelle Politik vor.

          Selbst wenn Griechenland die nächsten Wochen übersteht und die Eurozone nicht verlässt, so wird das alles nicht vergessen werden. Dieses Gift wird lange wirken. Die griechische Regierung, eine Kombination aus Links- und Rechtsradikalen, gibt sich ungerührt, teilt aus, strickt Opferlegenden, alles in der Annahme, die Partner würden das Land schon nicht fallenlassen. Dieses Motiv leitet tatsächlich viele Akteure, in Stein gemeißelt ist es aber nicht. Sonst würde die Zentralbank in Athen die Regierung nicht beschwören, sich mit den Gläubigern zu einigen. Andernfalls droht der Bankrott, und der führt nicht ins Paradies der Wahlversprechen, sondern zu Elend, Not und wer weiß wohin noch.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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