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Kommentar : Am Anfang eines langen Weges

  • -Aktualisiert am

Der dritte Sieg: Alexis Tsipras am Sonntagabend nach der Parlamentswahl Bild: AFP

Die Griechen wussten, dass Alexis Tsipras nicht halten kann, was er ihnen versprochen hatte. Trotzdem haben sie seine Partei nun schon zum dritten Erfolg geführt. Etabliert ist er damit noch nicht.

          Zum dritten Mal in weniger als einem Jahr hat Alexis Tsipras sein „Bündnis der radikalen Linken“ zu einem Erfolg geführt. Nach der Parlamentswahl im Januar und dem Referendum im Juli gewann Tsipras nun auch die Wahl im September, die nötig geworden war, weil er nach kaum mehr als sechs Monaten im Amt des Ministerpräsidenten keine eigene Mehrheit mehr in der Volksvertretung hatte.

          Letztlich ist der Erfolg vom Sonntag sogar größer als der Sieg im Januar. Zu Jahresbeginn war Tsipras als Oppositionsheroe mit großen Versprechen an die Macht gekommen. Inzwischen musste jeder Grieche, der für ihn stimmte, genau wissen: Dieser Mann kann nicht halten, was er uns jahrelang versprochen hat. Dass dennoch mehr als ein Drittel der Abstimmenden für Syriza votierten, dokumentiert auch die anhaltende Abneigung vieler Griechen gegen die sogenannten „Altparteien“.

          Syriza und Tsipras mögen wenig bis nichts erreicht haben, aber sie sind immerhin unverbrauchte Kräfte, die für die Misswirtschaft der vergangenen Jahrzehnte nicht verantwortlich gemacht werden können. Sie sind nur für die Misswirtschaft des Jahres 2015 verantwortlich. In dieser kurzen Zeit hat Syriza bereits bewiesen, dass sie viel schneller ist als die „Altparteien“.

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          Tsipras hat jetzt recht gute Voraussetzungen für einen personellen Neuanfang. Den kommunistischen Grexit-Befürworter Panagiotis Lafazanis, die herrschsüchtige Zoi Konstantopoulou, seinen unberechenbaren ehemaligen Borderline-Finanzminister Giannis Varoufakis und zwei Dutzend weitere Querköpfe ist er los, sie haben keine Parlamentsmandate mehr. Nun kann Tsipras versuchen, mit einer weniger chaotischen Truppe als im Januar seinem zweiten Kabinett Stabilität zu verleihen.

          Die ist dringend nötig, denn bei allem Respekt für diesen angesichts der Entwicklungen der vergangenen Monate doch beeindruckend deutlichen Wahlsieg: Eine reguläre Legislaturperiode dauert nicht ein paar Monate, sondern vier Jahre. Bei seinem ersten Versuch hat Tsipras hat nicht einmal ein Viertel dieser Zeit durchgehalten. Sollte er sein Land stabilisieren und im September 2019 reguläre Parlamentswahlen gewinnen – dann erst hätte Tsipras sich wirklich etabliert. Er steht erst ganz am Anfang dieses Weges.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

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