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Klaus Johannis’ Heimatstadt : Von Hermannstadt das Siegen lernen

  • -Aktualisiert am

Vom Provinznest zur Vorzeigestadt: In Hermannstadt ist man stolz auf das Erreichte. Jetzt soll Klaus Johannis auch in Bukarest nach dem Rechten sehen Bild: AFP

Seit dem Wahlsieg des deutschstämmigen Klaus Johannis schaut ganz Rumänien auf dessen Heimatstadt. Deren Erfolg soll nun Modell stehen für den Rest des Landes. Doch taugt Hermannstadt überhaupt als Muster?

          Auf dem Platz im Zentrum ist es dunkel und kalt. Die Menschen stehen dicht gedrängt, irgendwann flackert vor ihnen die riesige Leinwand auf, ein Video ist zu sehen von ihrem jüngst zum rumänischen Präsidenten gewählten Bürgermeister Klaus Johannis. Er singt die rumänische Nationalhymne ohne jede Theatralik, trifft die Töne mit schöner, tiefer Stimme. Viele Menschen singen mit. Dann gehen die Lichter des riesigen Weihnachtsbaums an, das Karussell beginnt sich zu drehen und das große Netz aus Glühbirnen, das quer über den Platz gespannt wurde, erstrahlt in der Dunkelheit. Der Hermannstädter Weihnachtsmarkt ist eröffnet.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Dem deutschstämmigen Johannis war im Wahlkampf von seinem Widersacher, dem rumänischen Ministerpräsidenten Victor Ponta vorgeworfen worden, kein „echter Rumäne“ zu sein, ja nicht einmal den Text der Nationalhymne zu kennen. Da sang Johannis sie einfach, und gewann überraschend die Stichwahl gegen Ponta. Ein Mitglied einer kleinen, im Verschwinden begriffenen deutschsprachigen Minderheit, noch dazu evangelischen anstatt orthodoxen Glaubens, wurde zum Präsidenten gewählt. Mit ihm verbindet sich nun die Hoffnung auf einen grundlegenden Wandel im Land.

          Im Wahlkampf hatte Johannis versprochen, Rumänien zu einem „normalen“, einem lebenswerten Land zu machen. Mit Arbeitsplätzen, Rechtssicherheit – und frei von Korruption. Dafür steht Hermannstadt (rumänisch Sibiu), und dafür, dass er das hier erreichte, verehren die Menschen Johannis in der siebenbürgischen Stadt – auch wenn die Löhne wie anderswo im Land weiter kaum zum Leben reichen. Viele hoffen nun, dass sich wenigstens ein Teil des Hermannstädter Erfolgs auf Rumänien übertragen lässt, vor allem auf den Osten und Süden, wo der Fatalismus groß ist und von wo noch mehr Menschen abwandern. Aber die Frage ist, ob Hermannstadt als Muster für das Land taugt.

          Kein einziges Schlagloch

          In der Stadt herrscht heute Vollbeschäftigung, was in Rumänien einem kleinen Wunder gleichkommt. Johannis warb während seiner vierzehnjährigen Amtszeit Investoren im Ausland an und holte schließlich 2007, im Jahr des EU-Beitritts Rumäniens, den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt – mitsamt den Geldern aus Bukarest und Brüssel. Rund 100 Millionen Euro waren das damals, die in die Infrastruktur der Stadt und die Sanierung der Altstadt investiert wurden. Zugleich wechselte Johannis Teile der Verwaltung aus, die als korrupt galten, und verschrieb den Mitarbeitern einen neuen Stil im Umgang mit den Bürgern. Die bestätigten Johannis denn auch dreimal mit Ergebnissen, die fast an sozialistische Zeiten erinnerten.

          Johannis’ Heimatstadt hat sich in den vergangenen Jahren von einem grauen Provinznest zu einer Vorzeigestadt gemausert: eine pittoreske Altstadt, saniert und blankgeputzt, mit glänzendem Kopfsteinpflaster, ohne ein einziges Schlagloch. Die Anwohner höflich, die Taxifahrer schalten ungefragt das Taxameter an, kein Pferdegespann auf den Straßen. Am Hauptplatz, dem „Großen Ring“ (Piața Mare), der nun den Weihnachtsmarkt beherbergt, barocke und klassizistische Fassaden. In den hohen Dächern vieler schön renovierter Häuser die für die Stadt typischen schmalen mandelförmigen Fensteröffnungen.

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