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Präsidentenwahl in Rumänien : Bürgerpräsident mit deutschen Tugenden

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Sympatisch und offen: Klaus Johannis und seine Frau Carmen im Wahlkampf in Bukarest Bild: dpa

Die Deutschen gelten in Rumänien als arbeitsam, ehrlich und kompetent: Seine Herkunft hat Klaus Johannis eher genützt als geschadet. Der Mann hat noch nie eine Wahl verloren. Und die Nationalhymne sang er besser als sein Rivale Ponta.

          „Liebe Rumänen, ich danke Euch. Ich will ein offener Präsident sein, ich will Euch vertreten“. Mit diesen Worten wandte sich Klaus Johannis am Sonntagabend an die Bürger, die ihn zum Staatsoberhaupt gewählt hatten: Wie schon im Wahlkampf wiederholte er nach der Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen die Botschaft, die ihm am wichtigsten ist: Er will ein Bürgerpräsident sein, der sich nicht von den Parteien abhängig macht; er will ein modernes, europäisches Rumänien, in dem gute Arbeit geleistet, der Staat gut verwaltet, der Korruption Einhalt geboten wird. In Hermannstadt hat er als Bürgermeister bewiesen, dass eine Wende zum Guten möglich ist. Jetzt steht die Verbesserung von ganz Rumänien auf seinem Programm.

          Victor Ponta hatte vergeblich versucht, die Bürger vor Johannis zu warnen, weil er „kein echter Rumäne“ und „kein orthodoxer Christ“ sei. Johannis spricht, wie Rumänen versichern, tadellos, völlig akzentfrei Rumänisch mit einer leichten siebenbürgischen Färbung und der für die Rumänen dieser Region typischen bedächtigen Ausdrucksweise, die sich von dem hämmernden Rhythmus unterscheidet, mit dem Ponta und andere Politiker in Bukarest ihre Botschaft an den Mann bringen.

          Im Wahlkampf war Johannis gerne bereit, vor laufender Kamera die rumänische Nationalhymne zu singen, nachdem Ponta behauptet hatte, er kenne nicht einmal deren Text. Die deutsche Volkszugehörigkeit mag für Ponta und seinen rechtsradikalen Komplizen Vadim Tudor ein Problem sein, für die Wähler ist sie das nicht. Im Gegenteil, den Deutschen eilt in Rumänen der Ruf voraus, besonders arbeitsam, ehrlich und kompetent zu sein. Seine Herkunft hat Johannis eher genützt als geschadet.

          Physiklehrer, Schulinspektor, Staatsoberhaupt

          Klaus Johannis wurde am 13. Juni 1959 in Hermannstadt geboren. Er schloss an der renommierten Universität in Klausenburg (Cluj) 1983 ein Studium der Physik ab und unterrichtete dieses Fach dann in verschiedenen Hermannstädter Gymnasien, zuletzt von 1989 bis 1997 am „Bruk“, dem nach dem österreichischen Gouverneur Samuel Brukenthal (1723-1803) benannten Gymnasium. Von 1999 bis 2000 war er Schulinspektor.

          2000 wurde er als Kandidat des Demokratischen Forums der Deutschen zum ersten Mal zum Bürgermeister von Hermannstadt gewählt. Er erhielt auf Anhieb 69 Prozent der Stimmen. 2004 wurde er mit 88 Prozent, 2008 mit 83 und 2012 mit 78 Prozent wieder gewählt. Er hat noch nie eine Wahl verloren. Mit entsprechendem Selbstbewusstsein begab er sich 2009 auf das Parkett der nationalen Politik. Der Versuch der damaligen Opposition, ihn zum Ministerpräsidenten zu machen, scheiterte jedoch.

          Im Februar dieses Jahres schlugen ihn die Nationalliberalen als neuen Innenminister vor. Ponta lehnte ab, woraufhin die Koalition mit den Sozialdemokraten zerbrach. Nach der Niederlage der Nationalliberalen bei der EU-Wahl wurde Johannis Vorsitzender und wenig später gemeinsamer Präsidentschaftskandidat der Liberalen und der konservativen PDL. Johannis ist verheiratet, seine Frau Carmen ist Rumänin. Das Paar ist kinderlos.

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