https://www.faz.net/-gq5-8leup

Kiew : Neue Waffenruhe für Ukraine vereinbart

  • Aktualisiert am

Steinmeier, Ayrault und Poroschenko in Kiew Bild: Reuters

Formal gilt im Osten der Ukraine seit Februar des vergangenen Jahres eine Waffenruhe. Weil sie aber von beiden Seiten missachtet wird, gibt es nun unter deutscher und französischer Vermittlung einen neuen Versuch.

          2 Min.

          Im Osten der Ukraine sollen von diesem Donnerstag an die Waffen schweigen. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko erklärte sich am Mittwoch in Kiew mit einer neuen Waffenruhe einverstanden, die zunächst sieben Tage gelten soll. Zuvor hatten bereits die prorussischen Separatisten verkündet, von Donnerstag 0.00 Uhr an eine Feuerpause beachten zu wollen. Formal gilt im Osten der ehemaligen Sowjetrepublik schon seit Februar 2015 eine Waffenruhe, die aber von beiden Seiten immer wieder missachtet wird.

          Die Einigung wurde bei einem Besuch der Außenminister aus Deutschland und Frankreich, Frank-Walter Steinmeier und Jean-Marc Ayrault, erzielt. Steinmeier sagte nach einem Treffen mit Poroschenko: „Wir sind froh und zufrieden darüber, dass auch Präsident Poroschenko zugesagt hat, dass die Ukraine die Feuerpause einhalten wird.“ Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass daraus ein dauerhafter Waffenstillstand wird. „Zum ersten Mal seit langer Zeit sehen wir wieder einen Hoffnungsschimmer.“

          Insgesamt gab es in dem Konflikt bereits etwa 10.000 Tote. Deutschland und Frankreich versuchen bereits seit längerer Zeit, in dem Konflikt zu vermitteln. Zudem hat Deutschland derzeit den Vorsitz in der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE). Grundlage für die Bemühungen sind die Friedensvereinbarungen, die vor anderthalb Jahren in der weißrussischen Hauptstadt Minsk ausgehandelt wurden.

          Ayrault betonte, dass sich alle Seiten an die Minsk-Abkommen halten müssten: „Es gibt dazu keine Alternative. Es gibt keinen Plan B.“ Bislang sind die Vereinbarungen nur zu einem sehr kleinen Teil umgesetzt. Auch bei den Bemühungen um eine politische Lösung gab es in den vergangenen Monaten kaum Fortschritte. Steinmeier sagte: „Der Fortschritt bei der Umsetzung von Minsk war ein Schnecke und sogar eine ziemlich langsame.“

          Die Separatisten hatten am Dienstag angekündigt, dass sie als „Zeichen des guten Willens“ die Waffen schweigen lassen wollen. Russland unterstützte dies. Am Donnerstag wollen Steinmeier und Ayrault in das Konfliktgebiet reisen, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen.

          Zuletzt hatten die Konfliktparteien zum Schuljahresbeginn am 1. September eine Kampfpause vereinbart, die aber ebenfalls brüchig blieb. Regierungstruppen und Aufständische warfen sich gegenseitig zahlreiche Angriffe vor. Die Armeeführung in Kiew berichtete von einem getöteten Soldaten. Nach Darstellung der Separatisten wurden sechs Menschen verletzt.

          Offen ist, ob es in absehbarer Zeit auch wieder ein Treffen im sogenannten Normandie-Format geben wird. Dazu gehört neben Deutschland, Frankreich und der Ukraine auch Russland. Das letzte Außenministertreffen war im Mai in Berlin. Die vier Staats- und Regierungschefs trafen sich zuletzt im Oktober 2015 in Paris. Ursprünglich war noch für diesen Sommer ein neues Treffen geplant. Inzwischen ruht die Hoffnung darauf, dass ein Gipfel noch vor Jahresende zustande kommt.

          Weitere Themen

          Wachstum durch kluge Klimapolitik

          Gastbeitrag zum Weltumwelttag : Wachstum durch kluge Klimapolitik

          Die Herausforderung durch die Corona-Pandemie hat das Thema Klimawandel verdrängt. Doch die Klimakrise ist nicht verschwunden. Sichere Arbeitsplätze und eine starke Klimapolitik sind beim Neustart der Wirtschaft kein Widerspruch. Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Aufgebahrt in einem goldenen Sarg: George Floyd.

          Tod von George Floyd : Kollektives Trauern

          Neun Schweigeminuten und bewegende Reden: In Minneapolis haben Politiker und Angehörige um Gorge Floyd getrauert. Den Bürgerrechtler Al Sharpton stimmt es hoffnungsvoll, dass auch in Deutschland viele junge Menschen gegen Rassismus auf die Straße gehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.