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Kiew bezichtigt Moskau : Ukrainische Spezialeinheiten räumen besetzte Gebäude

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Prorussische Aktivisten verbrennen in der Nacht vor einem Verwaltungsgebäude in Charkiw Reifen. Zuvor hatten Polizisten es geräumt. Bild: dpa

Die Polizei hat ein von prorussischen Aktivisten besetztes Geheimdienstgebäude in Donezk sowie ein Verwaltungsgebäude in Charkiw geräumt. Nato-Generalsekretär Rasmussen warnt Russland vor einem Einmarsch.

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          Nach dem Sturm prorussischer Kräfte auf öffentliche Gebäude in der Ostukraine ist es am Montagabend zu heftigen Auseinandersetzungen mit ukrainischen Sicherheitskräften gekommen. Spezialeinheiten räumten in der Millionenstadt Donezk ein von moskautreuen Kräften besetztes Geheimdienstgebäude. In der Stadt Charkiw räumten Spezialeinheiten ein von prorussischen Aktivisten besetztes Verwaltungsgebäude und nahmen rund 70 Menschen fest. Bei der Aktion sei kein Schuss gefallen, berichtete der Internetsender hromadske.tv am Dienstagmorgen. In der Nacht war es in Charkiw zu Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern der Zentralregierung gekommen. Moskautreue Kräfte drangen in das Gebäude der Gebietsverwaltung ein. Interimspräsident Alexander Turtschinow hatte den Einsatz angeordnet. Er warf Russland vor, es wolle mit Hilfe bezahlter Provokateure die Lage destabilisieren.

          In Lugansk leitete die Staatsanwaltschaft ein Verfahren ein, nachdem Aktivisten das örtliche Geheimdienstgebäude gestürmt hatten. Dabei waren am Sonntag mehrere Menschen verletzt worden. Die Miliz in Lugansk wurde in „Kampfbereitschaft“ versetzt, wie die Behörden mitteilten. Die Zufahrtsstraßen zur Stadt seien gesperrt. Maskierte im Geheimdienstgebäude sollen die Waffenkammer geplündert haben.

          Amerika und Russland vereinbarten angesichts der angeheizten Lage in der Ukraine unterdessen direkte Gespräche zur Lösung der Krise. Amerikas Außenminister John Kerry und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow wollten nach Angaben aus Washington direkt miteinander sprechen. An dem Treffen innerhalb der nächsten zehn Tage sollten auch Vertreter der Europäischen Union und der Ukraine teilnehmen, teilte das amerikanische Außenministerium am Montag mit.

          Kerry habe Lawrow dazu gedrängt, sich von den „Separatisten, Saboteuren und Provokateuren“ zu distanzieren. Die Aktionen seien anscheinend keine „spontane Reihe von Ereignissen“, sondern eine „orchestrierte Kampagne mit russischer Unterstützung“. Jeder weitere Versuch Moskaus, die ehemalige Sowjetrepublik zu destabilisieren, werde „weitere Kosten“ nach sich ziehen, hieß es aus Washington.

          Moskau weist Verantwortung zurück

          In der Stadt Donezk hatten die Besatzer des Gebäudes der Gebietsverwaltung am Montag eine souveräne Volksrepublik ausgerufen. Sie kündigten spätestens für den 11. Mai ein Referendum über einen Anschluss an Russland an - nach dem Vorbild der Schwarzmeer-Halbinsel Krim. Zudem forderten die Protestierer Kremlchef Wladimir Putin auf, „Friedenssoldaten“ zu entsenden. Anders als auf der Krim gibt es in den ostukrainischen Gebieten an der Grenze zu Russland aber keine Mehrheit für einen Beitritt zur Russischen Föderation. Zudem hat Moskau die selbst ernannte Vertretung bisher nicht anerkannt und hat auch - im Gegensatz zur Schwarzmeerflotte auf der Krim - keine Truppen dort stationiert.

          Barack Obamas Sprecher Jay Carney sprach von „starken Hinweisen“, dass zumindest einige der prorussischen Kräfte bezahlt worden seien. Er wiederholte Obamas Worte, der bei neuen Interventionen Russlands in der Ukraine mit „weiteren Konsequenzen“ gedroht hatte. Eine offene oder heimliche Intervention in der Ost-Ukraine bedeute eine „ernsthafte Eskalation“. Moskau wies jede Verantwortung zurück. „Genug der Anschuldigungen gegen Russland, das für alle aktuellen Probleme der Ukraine verantwortlich gemacht wird“, teilte das Außenamt in Moskau mit.

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