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Katholische Mädchenheime : „Irischer Staat maßgeblich in Zwangsarbeit verwickelt“

Leben für den Orden: Ein Grabstein für Insassen des Magdalenenheims von Glasnevin, einem Stadtteil von Dublin Bild: picture alliance/empics

Auf Drängen der UN hat die irische Regierung einen Untersuchungsbericht über die katholischen Magdalenenheime vorgelegt, wo tausende junge Frauen als billige Arbeitskräfte interniert worden waren. Eine Entschuldigung bekamen die Opfer nicht zu hören.

          In Irland hat eine offizielle Kommission einen seit langem erwarteten Untersuchungsbericht vorgelegt, in dem eine „maßgebliche Verwicklung des Staates“ in das menschenrechtswidrige System der sogenannten „Magdalenen-Wäschereien“ festgestellt wird. Die Regierung in Dublin drückte ihr „Bedauern“ darüber aus, dass Tausende irische Frauen oft jahrelang Zwangsarbeit in kirchlich geführten Wäschereien verrichten mussten. Opfer reagierten enttäuscht, zum Teil empört auf die offizielle Reaktion und verlangten eine formelle Entschuldigung. Einige kündigten einen Hungerstreik an, sollte die Regierung keine Entschädigung zahlen.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Etwa 10.000 Frauen, vielfach Waisen und sogenannte „gefallene Mädchen“, waren zwischen den zwanziger und den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in eines der zehn katholischen Magdalenenheime Irlands eingewiesen worden, wo sie von den Ordensschwestern wie Sklaven gehalten wurden. Fast 1000 Zwangsarbeiterinnen verbrachten fast ihr ganzes Leben in den Einrichtungen; einige wurden in Dienstkleidung auf dem Gelände der Wäschereien bestattet. Mehr als 4000 Frauen, einige von ihnen im Kindesalter, waren länger als ein Jahr interniert. Die Opfer - „Maggies“ genannt und nach eigenen Angaben ihres Namens beraubt - wurden teilweise aus staatlichen Schulen herausgenommen und dem unbezahlten Arbeitsdienst zugeführt. Das letzte Magdalenenheim wurde erst 1996 geschlossen.

          Kreuz in die Rippen

          Der Untersuchungsbericht hält fest, dass mindestens 2500 Frauen von der Justiz eingewiesen wurden. Die Wäschereien erhielten lukrative Konzessionen, unter anderem für große Hotels und die irische Armee. Insassen, die vor der Zwangsarbeit flüchteten, wurden mit Hilfe der Polizei gesucht und zurückgebracht. Der Bericht korrigierte Annahmen, es seien bis zu 30.000 Frauen in den Wäschereien beschäftigt gewesen. Auch vorgetragene Vorwürfe körperlichen oder sexuellen Missbrauchs werden in dem Bericht nicht erhoben. Manche Opfer verwiesen jedoch unter anderem darauf, dass sie schlecht ernährt wurden und ihnen die beaufsichtigenden Nonnen bei nachlassendem Arbeitstempo ein Kreuz in die Rippen gestoßen haben.

          Der Skandal wurde erst Anfang der neunziger Jahre öffentlich, als ein Schwesternorden in der Hauptstadt Dublin seine Räumlichkeiten an einen privaten Investor verkaufte und bei den anschließenden Bauarbeiten unmarkierte Gräber mit den Überresten von 155 Frauen entdeckt wurden. Trotz zahlreicher Dokumentationen in Zeitungen, im Fernsehen und im Kino weigerte sich der Staat lange Zeit, eine offizielle Untersuchung einzuleiten. Erst nachdem das Anti-Folter-Komitee der Vereinten Nationen Irland im Sommer 2011 zu einer Untersuchung drängte, wurde das Komitee unter Senator Martin McAleese gebildet. Noch in der Befragung vor dem UN-Komitee hatte der frühere Staatssekretär Sean Aylward behauptet, dass sich alle ihm bekannten Insassinnen freiwillig in den Heimen aufgehalten hätten.

          Keine Entschuldigung des Ministerpräsidenten

          „Die Mehrheit der Frauen, die mit dem Komitee zusammengearbeitet haben, sprachen über den Schmerz, den sie über den Freiheitsverlust empfanden“, heißt es in dem Abschlussbericht. „Sie wurden nicht darüber informiert, warum sie dort waren, wann sie entlassen werden, und durften keinen Kontakt zur Außenwelt aufnehmen.“ Senator McAleese und seine Ko-Autoren drückten die Hoffnung aus, dass der Bericht Wunden heilen und den Seelenfrieden der Opfer wiederherstellen könnte.

          Ministerpräsident Enda Kenny äußerte sich nach der Vorstellung des Berichts betroffen und sagte, die Heime hätten in einem „rauhen Irland“ operiert. Zu einer offiziellen Entschuldigung rang er sich jedoch nicht durch. Stattdessen hielt er fest, dass die Stigmatisierung der Frauen schon viel früher hätte beendet werden müssen. „Es tut mir sehr leid, dass dies nie passiert ist“, sagte er. Am Mittwoch stellte sich die größte irische Gewerkschaft hinter die Entschädigungsforderungen der Opfer. Demnächst soll der Bericht im irischen Parlament beraten werden.

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