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Kasachstans Ex-Botschafter : Tot in der Zelle

  • Aktualisiert am

Rachat Alijew, undatiertes Archivbild Bild: Reuters

Rachat Alijew war der Schwiegersohn des kasachischen Staatspräsidenten und Botschafter seines Landes in Österreich. Weil ihm ein Doppelmord vorgeworfen wurde, saß er dort in Haft. Nun wurde er tot in seiner Zelle aufgefunden.

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          Der unter Mordverdacht inhaftierte frühere kasachische Botschafter in Österreich, Rachat Alijew, ist am Dienstag tot in seiner Zelle in Wien aufgefunden worden. Der ehemalige Schwiegersohn von Staatschef Nursultan Nasarbajew wurde nach Angaben der österreichischen Behörden in seiner Einzelzelle erhängt entdeckt. Als Werkzeug dienten demnach Mullbinden. Ob sich Alijew selbst tötete oder ermordet wurde, war unklar.

          Der 52-Jährige saß in Österreich wegen zweier Morde in seiner Heimat in Haft. Alijew wurde vorgeworfen, für den Tod von zwei Bankmanagern verantwortlich zu sein, deren Leichen im Jahr 2011 verscharrt aufgefunden worden waren. Eine Auslieferung Alijews nach Kasachstan lehnte Österreich ab. Dem Politiker und Geschäftsmann sollte ab April in Österreich der Prozess gemacht werden.

          Am Dienstag sollte Alijew eigentlich gegen zwei Mitgefangene aussagen. Diesen warf er vor, Geld gefordert und ihn mit dem Tod bedroht zu haben, weswegen er seit einiger Zeit in einer Einzelzelle einsaß. Nach Alijews Angaben lautete die Drohung der beiden Häftlinge, ihn in den Gefängnisduschen zu ermorden, die Tat aber wie einen Selbstmord aussehen zu lassen.

          Alijews Anwalt Stefan Prochaska erhob am Dienstag Mordvorwürfe. „Die Vermutung ist, dass ihn jemand umgebracht hat“, sagte er der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Der Todeszeitpunkt kurz vor dem Beginn der Hauptverhandlung gegen Alijew sei „höchst auffällig“. Der zuständige Leiter des Strafvollzugs, Peter Prechtl, sagte APA hingegen, es gebe „keinerlei Anzeichen dafür, dass er ermordet worden ist“.

          Alijew war lange Zeit mit Nasarbajews ältester Tochter Dariga verheiratet gewesen. Im Jahr 2007 fiel er allerdings bei dem mit harter Hand regierenden Staatschef in Ungnade, weil er angeblich Ambitionen auf das Präsidentenamt hegte. Damals gab er seinen Diplomatenposten in Wien auf.

          Im Jahr 2008 wurde er in Abwesenheit wegen Putschversuchs zu 20 Jahren Haft verurteilt, nach der Entdeckung der ermordeten Bankmanager im Jahr 2011 dann zu weiteren 40 Jahren Gefängnis. Seiner Verhaftung in Österreich entging Alijew zeitweilig durch Flucht nach Malta, erst im Juni vergangenen Jahres stellte er sich.

          Die schweizerische Zeitung „Tagesanzeiger“ stufte Alijew im Januar als einen der einflussreichsten Männer Zentralasiens ein. Die kasachische Opposition distanzierte sich von ihm, weil er sich an ihrer Unterdrückung seit Mitte der neunziger Jahre beteiligt haben soll.

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