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Kampf um die Ostukraine : Putin im Zwiespalt

Beseelt von der großrussischen großen Idee: Wladimir Putin im Dreifaltigkeitskloster in Sergejew Possad Bild: AP

Der Abschuss des Flugzeugs der „Malaysia Airlines“ hat Russlands Präsident Putin in eine Ecke gedrängt. Noch ist ungewiss, ob er den Forderungen des Westens folgt und die Aufständischen vom Nachschub abschneidet und fallen lässt.

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          Aus den Tagen, die seit dem Abschuss des Passagierflugzeugs der „Malaysia Airlines“ über der Ostukraine am Donnerstagnachmittag vergangen sind, bleiben besonders zwei Auftritte des russischen Präsidenten in Erinnerung. Zunächst die Sitzung mit Mitgliedern der Regierung am späten Donnerstagabend, die mit einigen Sekunden des Schweigens begann, um, wie Putin, sagte, das Andenken der Toten zu ehren. Dann wies er die „Verantwortung“ für die „Tragödie“ der Ukraine zu und forderte eine „sorgfältige Untersuchung“ des „Verbrechens“. Putin hatte Mühe, Worte zu finden, machte Pausen, versprach sich. Er wirkte fahrig, wie aus dem Konzept gebracht.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Der zweite Auftritt führte ihn am Freitagnachmittag in das Dreifaltigkeitskloster in Sergejew Possad nordöstlich von Moskau. Dort nahm er an einer Feierstunde für den vor 700 Jahren geborenen Gründer des Klosters teil, den Heiligen Sergius von Radonesch. Dieser, sagte Putin in seiner im Fernsehen direkt übertragenen Ansprache, habe „in einer schwierigen Zeit ausländischer Invasion und innerer Zwietracht die prophetischen Worte ‚Durch Liebe und Einheit werden wir erlöst’ verkündet.“

          Seltsam fahrig: Putins Schweigeminute mit Regierungsmitgliedern am Freitag nach Bekanntwerden des mutmaßlichen Flugzeugabschusses

          Dieser „Aufruf“ habe geholfen, die „russischen Gebiete zu vereinen“. Der Heilige habe einen „patriotischen, nationalen und sittlichen Aufschwung“ inspiriert, sein Erbe sei der „Schlüssel zum Verständnis Russlands“ und dessen „Traditionen der Einheit und Konsolidierung“. Nun wirkte Putin ganz anders: entschlossen, kraftvoll, beseelt von einer großen Idee.

          Mehr als Müdigkeit?

          Sollte mehr als die Müdigkeit nach dem langen Rückflug von der Lateinamerikareise hinter dem ersten Auftritt Putins stecken, wäre das nachvollziehbar. Schon der Verdacht, dass die Separatisten – sei es mit indirekter, sei es mit direkter Hilfe aus Russland – die Boeing der „Malaysia Airlines“ abgeschossen haben, hat den Druck auf ihn erhöht, den Strom von Waffen und Kämpfern über die Grenze in die Ostukraine zu unterbinden. Sollte sich der Verdacht bestätigen, bliebe selbst der EU nichts anders übrig, als Sanktionen gegen Sektoren der russischen Wirtschaft zu verhängen.

          Dazu verweisen Fachleute auf die Bedeutung der Einnahmen aus dem Verkauf von Erdöl und Erdölprodukten hin, die zum Haushalt wesentlich mehr beitragen als der Erdgasexport. Die Vereinigten Staaten haben den Erdölexporteur Rosneft bereits auf ihre Sanktionsliste gesetzt. Die in russischen Staatsmedien stolz zur Schau gestellte Hinwendung nach Asien und zu den „Brics“-Staaten kann die Verluste im Geschäft insbesondere mit Europa bis auf weiteres nicht auffangen.

          Die schwerwiegendste Folge der überstürzten Umorientierung ist der im Mai in Schanghai abgeschlossene Gasvertrag mit China. Bei dem musste die russische Seite einen Festpreis in Kauf nehmen, der das Projekt angesichts der erforderlichen Milliardeninvestitionen mutmaßlich zu einem Verlustgeschäft macht. Die Zentralbank muss ihre Dollarreserven schon dazu einsetzen, den Rubel zu stützen. Und kaum ein Tag vergeht ohne Meldungen, wie teuer die Annexion der Krim Russland zu stehen kommt.

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