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Jüdischer Supermarkt in Paris : Eine mutige Wiedereröffnung

Der Innenminister bezahlt mit EC-Karte: Bernard Cazeneuve am Sonntag bei der Wiedereröffnung des „Hyper Cacher“ in Paris Bild: AFP

Der jüdische Supermarkt „Hyper Cacher“ in Paris, wo im Januar vier Kunden von dem islamistischen Attentäter Coulibaly erschossen worden waren, hat seine Pforten wieder geöffnet. Doch die Verunsicherung der Juden in Frankreich bleibt.

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          Gut zwei Monate nach den Terroranschlägen in Paris hat der jüdische Supermarkt „Hyper Cacher“ an der Porte de Vincennes nach umfangreichen Instandsetzungsarbeiten am Sonntag wieder geöffnet. Als erster Kunde stand der französische Innenminister Bernard Cazeneuve an der Kasse, er kaufte zwei Flaschen koscheren Wein. Es sei wichtig, „der mutigen Geschäftsleitung“ zur Wiederöffnung zu zeigen, dass die Regierung an ihrer Seite stehe, sagte Cazeneuve.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Vor dem Geschäft, das der Terrorist Amédy Coulibaly am 9. Januar gestürmt hatte, werden fortan immer Polizeipatrouillen Wache stehen. Gerade hat die französische Regierung den Antiterrorplan „Vigipirate“ auf der höchsten Stufe verlängert. Vor allen jüdischen Einrichtungen, Schulen, Geschäften oder Synagogen, patrouillieren dauerhaft Polizisten oder Soldaten. Der Leiter der jüdischen Supermarktkette „Hyper Cacher“, Laurent Mimoun, sagte, bei der Wiedereröffnung denke er vor allem an die Opfer des Terroranschlages. Der Terrorist Coulibaly hatte dort vier Franzosen jüdischen Glaubens erschossen. Ein Dutzend Kunden konnte sich in zwei Kühllagern des Supermarktes verstecken, darunter eine Mutter mit ihrem Säugling.

          Französische Juden nachhaltig beunruhigt

          „Die Franzosen jüdischen Glaubens haben ihren Platz in der französischen Gesellschaft“, sagte Mimoun. Der Satz klang mehr wie eine Frage an den Innenminister. Denn ein Großteil der etwa 500.000 in Frankreich lebenden Juden ist nachhaltig beunruhigt. Seit den Terroranschlägen hat die Zahl antisemitischer Übergriffe nicht abgenommen. Mitte Februar wurde ein jüdischer Friedhof in Sarre-Union im Osten Frankreichs geschändet. Etwa 200 Grabsteine wurden umgeworfen und ein Holocaustmahnmal beschädigt. Ein israelischer Journalist zog Mitte Februar zehn Stunden lang mit Kippa und versteckter Kamera durch Paris. Er wurde beschimpft und bespuckt.

          Für seine wiederholten Mahnungen, der Kampf gegen den Antisemitismus sei nicht allein Sache der Regierung, erhielt auch Premierminister Manuel Valls nicht nur Zustimmung. Der frühere Außenminister Roland Dumas kanzelte den Parteifreund ab. Valls stehe „unter jüdischem Einfluss“, sagte der Außenminister Mitterrands, eine Anspielung auf die Geigerin Anne Gravoin, mit der Valls in zweiter Ehe verheiratet ist. Der Vorsitzende des Rates der jüdischen Organisationen „Crif“, Roger Cukierman, empörte sich darüber, doch bei den regierenden Sozialisten wurde der Vorfall heruntergespielt.

          Cukierman musste sich hingegen rechtfertigen, weil er im Radio sagte: „Alle antisemitischen Gewalttaten werden heute von jungen Muslimen begangen“. Der Präsident des Zentralrats der Muslime (CFCM), Dalil Boubakeur, protestierte so heftig dagegen, dass Präsident François Hollande die beiden zu einem Vermittlungsgespräch in den Elysée-Palast einlud. Cukierman hatte auch anklingen lassen, dass Marine Le Pen angesichts des Antisemitismus der jungen Muslime das kleinere Übel sei.

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