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Juan Carlos dankt ab : Der politische König

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Juan Carlos dankt ab: Spaniens König am Montag in Madrid Bild: REUTERS

Juan Carlos hat die Zeichen der Zeit erkannt und ist sich seiner Verantwortung bewusst. Der Platz in der Geschichte ist ihm sicher: Er war der letzte wirklich politische Monarch in Europa.

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          In seiner großen Untersuchung über „Die englische Verfassung“ unterschied Walter Bagehot vor eineinhalb Jahrhunderten den „Arbeitsteil“, mit dessen Hilfe ein Land regiert wird, vom „dignified part of the constitution“, den ehrwürdigen Traditionen, die vom Volk anerkannt und verehrt werden, aber Politik nicht wirklich gestalten. Die Monarchie gehörte in England schon damals zum zweiten Teil. Dieses Vorbild hat sich in Europa seither durchgesetzt: Regierende Könige oder Fürsten gibt es im Grunde nicht mehr.

          Dass Monarchen (oder Königinnen) in Krisenlagen dennoch eine wichtige Rolle für den nationalen Zusammenhalt, aber auch in der praktischen Politik spielen können, widerspricht dem nicht. Vom belgischen Königshaus ist gesagt worden, es sei die letzte Klammer, die das Land zusammenhalte. Und dort, wo sich im parlamentarischen Kräftespiel Mehrheiten nicht ohne weiteres herausbilden, haben die Monarchen als Vermittler oder wenigstens als Mahner immer noch ihre Bedeutung.

          König Juan Carlos von Spanien war vielleicht der letzte wirklich politische Monarch in Europa. Das lag an der Geschichte seines Landes, das sich erst spät aus einer fast vier Jahrzehnte währenden Diktatur befreien konnte. Noch von dem Generalissimus Francisco Franco ernannt, der zwar die Monarchie bereits 1946 wieder eingeführt hatte, aber als „Regent“ die Zügel bis zum seinem Tod 1975 in der Hand behielt, machte Juan Carlos als König den friedlichen Übergang zur Demokratie möglich und wurde, dank seiner Rolle in dem Putschversuch des Oberstleutnants Tejero, dann zu deren Garant.

          Das damals erworbene Ansehen stabilisierte die Monarchie, vor allem aber half es dabei, dass Spanien, trotz unbewältigter Folgen des Bürgerkriegs, zu einem stabilen politischen System fand. Das Ansehen des Königshauses begann erst zu wanken, als bekannt wurde, dass die königliche Familie in Finanzskandale verwickelt war und auch der König selbst sich manche Eskapaden leistete. Dass Juan Carlos, inzwischen 76 Jahre alt und gesundheitlich angeschlagen, jetzt zugunsten seines Sohnes abdankt, zeigt, dass er die Zeichen der Zeit erkannt hat und sich seiner Verantwortung bewusst ist. Es wird ihm die Entscheidung leichter gemacht haben, dass er sich seines Ranges in der spanischen Geschichte sicher sein kann.

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