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Labour rückt nach links : Der britische Tsipras

Albtraum der Parteivorderen: Jeremy Corbyn (rechts) mit Boris Johnson. Bild: ddp Images

Im Rennen um den Vorsitz der Labour Party führt ein linksradikaler Autogegner, Pazifist und Vegetarier. Die höheren Parteifunktionäre fürchten sich vor Jeremy Corbyn – und den nächsten Wahlen.

          Bei der Trauerfeier für Queen Mum, die Mutter Elisabeths II., erschien Jeremy Corbyn in einem leuchtend roten Blazer. Es war der bisher auffälligste Auftritt des ultralinken Labour-Abgeordneten, der die Monarchie ebenso verachtet wie den Kapitalismus. Heute, 13 Jahre später, sticht der Provokateur auf andere, womöglich folgenreichere Weise heraus: Corbyn hat gute Chancen, das Kandidatenrennen bei der britischen Labour Party zu gewinnen und ihr nächster Vorsitzender zu werden.

          Seit der 66 Jahre alte Parlamentarier in Umfragen klar vorne gesehen wird – am Mittwoch sogar vom renommierten „YouGov“-Institut – herrscht in der Labour Party helle Aufregung. Tony Blair, den die Partei für alles hasst außer für seine Siege, meldete sich zu Wort und warnte vor 20 Jahren Opposition, sollte der Altlinke in sieben Wochen die Urwahl gewinnen.

          Der Bildungspolitiker Tristram Hunt, den viele Parteifreunde vergeblich zu einer Kandidatur ermutigt hatten, sieht „die Labour Party – eine der großen Regierungsparteien des 20. und frühen 21. Jahrhunderts – auf dem Weg zu einer Aktivistengruppe“. Liz Kendall, die sich als erste in das Rennen um den neuen Vorsitz geworfen hatte, vergleicht eine Labour Party unter Jeremy Corbyn mit der griechischen „Syriza“ oder der spanischen Partei „Podemos“. Ein Berater der jüngsten Labour-Regierung nannte Corbyns Anhänger schlicht „Schwachköpfe“.

          Seine Freunde bei der Hamas

          Jeremy Corbyn ist die große Überraschung dieses ersten Urwahlkampfes, den die britische Labour Party veranstaltet. Auch die anderen drei Kandidaten sind in der Öffentlichkeit wenig bekannt, aber Corbyn war bis vor kurzem nur jenen Parteimitgliedern ein Begriff, die sich an den „Graswurzeln“ tummelten. Nie hatte er ein nennenswertes Parteiamt inne – er war der, der auf die provisorische Bühne stieg, wo gerade gegen den Irakkrieg oder Nuklearwaffen protestiert wurde, das Klima gerettet und Blockaden gegen Banken organisiert wurden.

          Zu gewisser Bekanntheit brachte er es in der internationalen „Solidaritätsszene“, ein Engagement, das er einmal mit den Erfahrungen in seinem multikulturellen Wahlkreis im Londoner Stadtteil Islington begründete. Corbyn gehörte zu den ersten britischen Abgeordneten, die Freiheit für Nelson Mandela forderten, er spann Kontakte von seinen „Freunden“ bei der Hamas bis zu den Sozialisten Venezuelas und nahm besonderen Anteil an der irischen Politik.

          Am Dienstag ließ er sich mit dem irischen „Genossen“ Gerry Adams von der links-nationalistischen Sinn Fein im „Portcullis House“, dem Sitz vieler Abgeordneter, fotografieren. Für manche weckte das hässliche Erinnerungen: 1984, kurz nach dem IRA-Bombenanschlag auf den Parteitag der Konservativen in Brighton, hatte Corbyn – zum Entsetzen vieler – Adams und andere Vertreter der Irisch-Republikanischen Armee ins Parlament nach London eingeladen.

          Dienst an der Sache

          Kritische Fragen bringen Corbyn aber nicht aus der Ruhe. Gestählt im Kampf der gerechten Sache gegen das unmenschliche System pariert er unaufgeregt und mit mürrischer Selbstgewissheit. Humor, gar Selbstironie sind ihm fremd, jedenfalls wenn die Kamera läuft. Herzlich wenig hält Corbyn von den modernen Erscheinungsformen des britischen Politikbetriebes, dessen Show-Charakter und Personalisierung.

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