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Frankreich : Front National wirft Le Pen raus

  • Aktualisiert am

Aus der eigenen Partei ausgeschlossen: Jean-Marine Le Pen, Gründer des Front National. Bild: AFP

Nach monatelangem Streit ist es nun offiziell: Jean-Marie Le Pen, Gründer des französischen Front National, muss die Partei wegen antisemitischer Äußerungen verlassen.

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          Nach einem monatelangen erbitterten Streit hat die rechtsextreme französische Partei Front National (FN) am Donnerstag ihren Gründer und Ehrenvorsitzenden Jean-Marie Le Pen aus der Partei ausgeschlossen. Das Exekutivkomitee habe dies mit der nötigen Mehrheit beschlossen, teilte der FN am Donnerstagabend in einer knappen Erklärung mit.

          Der 87 Jahre alte Le Pen hatte sich durch wiederholte judenfeindliche Provokationen den Zorn seiner Tochter und Nachfolgerin an der Parteispitze, Marine Le Pen, zugezogen. Le Pen hatte sich am Nachmittag wegen seiner antisemitischen Äußerungen vor der Parteiführung verantworten müssen. Er hatte zuletzt Anfang April die NS-Gaskammern als „Detail“ der Geschichte des Zweiten Weltkriegs bezeichnet. Die Parteiführung wirft ihm aber nicht nur diese Äußerung vor. In der folgenden Fehde hatte er seine Tochter persönlich attackiert - „Ich schäme mich, dass die Vorsitzende des FN meinen Namen trägt“ - und schwere Angriffe gegen ihre rechte Hand Florian Philippot gefahren.

          Später am Abend kündigte Le Pen an, „selbstverständlich“ gegen seinen Parteiausschluss vor Gericht zu ziehen. Er sei „Opfer eines Hinterhalts“ und „in die Falle gelockt“ worden. Am Freitag sagte er dem französischen Sender RTL: „Ich bin der Front National, ich bin in der Front National zu Hause.“ Er werde die Entscheidung vor Gericht anfechten. Er griff seine Tochter Marine Le Pen heftig an: Die Parteichefin habe „aus der Ferne am Telefon das Erschießungskommando befehligt“.

          Seine Tochter wiederum sah die Schuld am Rauswurf ganz beim Vater: „Er hat einen Prozess losgetreten, dessen Ausgang er kannte.“ Der Parteigründer habe „seit Wochen Fehler aneinandergereiht, die nur eine solche Entscheidung nach sich ziehen konnten“.

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          Marine Le Pen hatte Anfang 2011 die Führung des Front National von ihrem Vater übernommen. Mit einer Abkehr von den offen antisemitischen und rassistischen Parolen des Parteigründers will sie der rechtsextremen Partei ein besseres Image verschaffen. Die Strategie scheint sich auszuzahlen: Bei der Europawahl im Mai 2014 wurde der FN erstmals stärkste Kraft in Frankreich. Bei den Präsidentschaftswahlen 2017 könnte Marine Le Pen Umfragen zufolge in die Stichwahl einziehen.

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