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Jahrespressekonferenz im Kreml : Putins Töchter, Putins Truppen

„In guter sportlicher Form“: Wladimir Putin wird auf seiner Pressekonferenz umschwärmt. Bild: AP

Aus der jährlichen Pressekonferenz des russischen Präsidenten kann man viel über ihn und sein Land erfahren. Wladimir Putin nimmt Huldigungen entgegen. Und sucht die Konfrontation.

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          Bevor die junge Journalistin aus der Provinz zu ihrer eigentlichen Frage kommt – es geht um die Förderung der Landwirtschaft –, will sie etwas loswerden: „Als Frau kann ich gar nicht anders, als unserem Präsidenten ein großes Kompliment dafür zu machen, dass er in so guter sportlicher Form ist. Unsere Jungs vergleichen sich mit Ihnen.“ Wladimir Putin lächelt und unterbricht sie: „Und das ohne Doping.“

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

          Aus der jährlichen Pressekonferenz des russischen Präsidenten kann man viel über ihn und sein Land erfahren. Sie ist eine Show, die mehr als nur ein Frage-Antwort-Spiel zwischen Journalisten und Politiker ist. Bei dieser Show stellt sich Putin nicht nur den routiniert vorgetragenen Fragen jener Moskauer Journalisten, die ständig aus dem Kreml berichten. Er nimmt Huldigungen und Neujahrsgrüße entgegen, lobt das soziale Engagement von Bürgern, verspricht, sich um die bisher verschleppte Untersuchung eines Verkehrsunfalls zu kümmern, bei dem eine Frau von einem Grenzschützer schwer verletzt wurde: „Eine Uniform darf nicht von der Verantwortung befreien.“

          Und er sucht die Konfrontation. Als er einen ukrainischen Journalisten entdeckt, unterbricht er seinen Sprecher, der gerade der russischen Nachrichtenagentur Interfax das Wort geben will: „Entschuldige, da ist die Ukraine, unsere brüderliche Republik.“ Es wirkt, als habe er auf den Vorwurf gewartet, in der Ostukraine seien russische Truppen: „Wir haben nie gesagt, dass dort keine Leute sind, die sich mit der Lösung bestimmter Fragen befassen, auch in der militärischen Sphäre. Aber das heißt nicht, dass dort reguläre russische Truppen sind. Fühlen Sie den Unterschied!“

          Themen, die sonst in den staatlichen russischen Medien Tabu sind, dürfen bei dem live von den großen Fernseh- und Radiosendern übertragenen Auftritt angesprochen werden. Putin wird gefragt, ob die junge Frau, die an der Universität Moskau ein mit viel Geld ausgestattetes Projekt leitet, seine Tochter sei, so wie es westliche Medien behaupteten. Er habe „zu verschiedenen Zeiten verschiedene Dinge“ über seine Töchter gelesen, antwortet er. Zum Glück werde jetzt wenigstens wahrheitsgemäß geschrieben, dass sie nie im Ausland studiert und gearbeitet hätten. Konkreter wird er nicht: „Ich bin stolz auf sie. Sie leben ihr eigenes Leben und machen das sehr anständig.“

          Der Nachwuchs mächtiger Männer ist in Russland ein heikles politisches Thema: Nach Recherchen des Oppositionspolitikers Alexej Nawalnyj sind die Söhne des Generalstaatsanwalts Jurij Tschajka in kriminelle Geschäfte verwickelt, und die seit Wochen andauernden Proteste der Fernfahrer gegen die Einführung einer Maut haben auch deshalb ein solches Ausmaß angenommen, weil mit der Einziehung der Maut eine Firma beauftragt wurde, die teilweise dem Sohn von Putins Jugendfreund Arkadij Rotenberg gehört. „Haben Sie solche Ergebnisse erwartet, als Sie im Jahr 2000 an die Macht gekommen sind?“, fragt eine Journalistin eines kremlkritischen Internetportals, die in diesen Fällen ein „System“ sieht. „Solche Randerscheinungen, wie die, über die sie gesprochen haben, sind praktisch überall möglich“, sagt Putin – lobt aber, es sei gut, dass die Medien auf solche Fälle hinwiesen. So etwas werde von der Präsidialverwaltung genau untersucht. „Ich würde lieber nicht darüber reden, aber das heißt nicht, dass wir uns damit nicht befassen.“

          Den größten Raum nehmen wirtschaftliche und soziale Fragen ein – aus gutem Grund: Vergangenes Jahr hat Putin auf seiner Pressekonferenz gesagt, Russland sei schon auf dem Weg aus der Krise, in einem, spätestens zwei Jahren habe man sie überwunden. Nun ist die Lage noch schlechter, und er muss sich rechtfertigen. Er zitiert lange Reihen von Wirtschaftsindikatoren, die in die richtige Richtung zeigten – aber der Kern seiner Ausführung steckt in dem „uralten, bemoosten Witz“, mit dem er begonnen hat:

          „Fragt ein Freund den anderen: ,Wie geht es?‘ – ,Mal so, mal so – mal schwarz, mal weiß.‘ – ,Und jetzt?‘ – ,Jetzt ist es schwarz‘.“ Ein halbes Jahr später treffen sich die beiden wieder, und wieder ist die Stimmung schwarz: „‘Aber es war doch damals schon schwarz.‘ – ,Nein, es hat sich erwiesen, dass es damals noch weiß war.‘ Ungefähr so ist die Lage bei uns.“

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