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Flüchtlinge auf hoher See : Italienischer Schlag gegen Schlepper

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Dem Tod entkommen: Überlebende auf der Brücke der „Bruno Gregoretti“, die zu Hilfe eilte, als am Sonntag vor der Küste Libyens ein Boot mit angeblich 700 Personen sank. Bild: AFP

Die italienische Staatsanwaltschaft hat 24 Schlepper verhaftet. Die Ermittlungen der Behörde zeigen, wie die Menschenhändler auf der „Libyen-Route“ über das Mittelmeer operieren.

          Im Schatten der jüngsten Flüchtlingstragödie, bei der wohl 700 Menschen zwischen Libyen und Italien in der Nacht zum Sonntag ihr Leben im Mittelmeer verloren, hat die Staatsanwaltschaft in Palermo am Montag die Verhaftung von 24 Menschenhändlern und die Aufdeckung ihrer Schleusergang mit ihrem Decknamen „Libyen-Route“ bekannt gegeben.

          Im Visier der Staatspolizei sind vor allem ein Äthiopier und ein Eritreer mit ihrer Basis in Tripolis und einem Netz von Helfern in Italien. Die beiden Rädelsführer würden die Flucht aus Nordafrika genauso mitorganisieren wie die Helfer, die die Asylsuchenden aus den Lagern in Italien holen, um sie nach Nordeuropa zu bringen. Nach fast zweijährigen Ermittlungen der Sondereinheiten von der italienischen Anti-Mafia-Polizei seien im Rahmen der Operation „Glauco II“ in verschiedenen Städten Italiens, so in Cara di Mineo, Catania, Palermo und Agrigent auf Sizilien, aber auch in Mailand und Rom Personen aus diesem Netzwerk in Haft genommen worden, berichtet die italienische Internet-Seite Meridionews.

          Bei den Capos dieser Organisation handelt es sich um den Äthiopier Ermias Ghermay, der von Libyens Hauptstadt Tripolis oder der nordwestlichen Hafenstadt Zuwara aus operiert und seit Sommer 2014 mit internationalem Haftbefehl gesucht wird. Der zweite Rädelsführer ist ein Redae Medhane Yehdego aus Eritrea. Später habe sich diesen beiden noch Asghedom Ghermay, ein Bruder von Ermias angeschlossen, der zeitweilig auf Sizilien das Schleppernetz organisierte. Die Untersuchungen gegen diesen Ring, zu dem Helfer aus der Elfenbeinküste, Guinea und Ghana zählen, hätten bald nach dem 3. Oktober 2013 begonnen, als vor der süditalienischen Insel Lampedusa 366 Menschen ihr Leben verloren, wird die Staatsanwaltschaft in Palermo weiter zitiert.

          Dieses völlig überladene Schiff habe damals Ermias Gehrmay aufs Meer geschickt. Nach dem Unglück soll er nach einem Telefonmitschnitt gesagt haben: „Inshallah - so sind sie bei Allah angekommen“. Über diese Mitschnitte hätten die anderen Verbrecher nun identifiziert werden können. Nach der Katastrophe von 2013 war einer der Menschenhändler in Italien zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Damals hätten die Ermittler herausgefunden, wie die Flüchtlinge schon in Libyens Wüste von Schleppern mit Versprechungen aufgegriffen und dann beraubt würden.

          Bewaffnete Milizen würden die Flüchtlinge in kargen Lagern in den libyschen Hafenstädten mit Waffen im Anschlag bewachen. Keiner der Migranten könne sein Flüchtlingsschiff auswählen, hieß es von den Ermittlern. Jeder Flüchtling habe zwischen 3000 und 3600 Dollar für die Passage bezahlen müssen. Weniger kostspielig scheinen die Schlepperdienste in Europa zu sein. Bei den jüngsten Ermittlungen zur „Libyen-Route“ zeige sich, dass die Flüchtlinge in Europa von 250 bis 1000 Euro zu zahlen hätten – je nach Reisedistanz, zitiert Meridionews die Staatsanwaltschaft in Palermo.

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