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Italien : Berlusconi tritt Dienst im Altenheim an

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Begeisterung geht anders: Berlusconi ist sichtlich unerfreut bei seiner Ankunft im Hospiz der „Sacra Famiglia-Stiftung“. Dort wird er Senioren pflegen. Bild: dpa

Der wegen Steuerbetrugs verurteilte Silvio Berlusconi hat seinen Sozialdienst aufgenommen. Ein als Clown verkleideter Gewerkschafter forderte, den früheren italienische Regierungschef einzusperren. Aber auch Sympathisanten sind zum Altenheim gekommen.

          Der frühere italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat am Freitag am Stadtrand von Mailand in dem kirchlich geführten Altenheim der Sacra Famiglia in Cesano Boscone seinen Sozialdienst angetreten. Mit einem schwarzen Polohemd leger gekleidet verschwand der 77 Jahre alte Milliardär kurz nach 9.30 Uhr ohne einen Gruß an die vielen wartenden Journalisten in dem eigens seinetwegen gesicherten Areal, wo er sich in den kommenden zehn Monaten an jedem Freitag vier Stunden lang vor allem um ältere Menschen mit Alzheimer kümmern soll. Er werde seinen Dienst mit einem „Gefühl von Demut“ übernehmen, wurde er später zitiert; er habe sich auch auf das Krankheitsbild vorbereitet, um besser helfen zu können. Noch am Vortag hatte der Vorsteher der Einrichtung, Cesare Kaneklin, gesagt, er hoffe, dass das Erscheinen Berlusconis nicht zum Problem für die Patienten werde, „denn um die müssen wir uns kümmern“.

          Der wegen der Steuervergehen in seinem Unternehmen Mediaset rechtskräftig verurteilte Berlusconi muss eigentlich eine Haftstrafe absitzen. Doch wegen seines Alters sah das Gericht davon ab. Bei der sich dann stellenden Wahl zwischen Hausarrest und Sozialdienst entschied sich das Gericht für den Dienst im Altenheim, wo Berlusconi aber nicht zur Unterhaltung der Bewohner eingesetzt werden soll, wie der Chef der Institution vor Tagen feststellte. Der Sozialdienst hat für Berlusconi den Vorteil, dass er sich von Montag bis Donnerstag in Rom oder Mailand der Politik widmen kann; die sei sein Beruf, den man ihm nicht nehmen dürfe, hatte das Gericht festgestellt.

          Vor dem Altenheim demonstrierte ein Gewerkschafter und forderte, Berlusconi in den Knast zu stecken. Der Mann habe viele Bürger bestohlen, sagte er den Journalisten. Ein anderer Passant meinte, das Altenheim sei „auch ein Ort des Leidens. Da ist so ein Berlusconi-Auftritt verwirrend“. Es waren aber auch viele Sympathisanten Berlusconis zu dessen Dienstantritt im Haus der Heiligen Familie gekommen. Ein älterer Mann sagte, es sei eine Schande, Berlusconi so zu behandeln. „Er ist doch der beste aller Italiener.“ Ein anderer sagte, so ein Steuervergehen sei doch „kein Problem“. Aber Berlusconi sei eine moralische Kraft für Italien; er habe so wichtige Verbindungen zu Menschen wie (dem russischen Präsidenten) Putin, die Italien aus der Krise helfen könnten.

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