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TV5 Monde gehackt : „Ein Angriff unbekannten Ausmaßes“

Jetzt spricht die Politik: Der Direktor der Sendergruppe TV5 Monde, Yves Bigot (rechts), lauscht den Stellungnahmen des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve, der Kommunikationsministerin Fleur Pellerin und des Außenministers Laurent Fabius (von links nach rechts) am Donnerstag in Paris. Bild: AFP

Nach einer großangelegten Cyber-Attacke des Islamischen Staats auf die französische Sendergruppe TV5 Monde hat die Kommunikationsministerin eine Krisensitzung aller großen Medienunternehmen einberufen.

          Eine Hacker-Attacke durch mutmaßliche Anhänger der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) hat den Sendebetrieb des frankophonen Fernsehkanals TV5 Monde in der Nacht zu Donnerstag stundenlang lahmgelegt. Auch am Donnerstag blieb in vielen Ländern der Bildschirm schwarz. Der von Frankreich, Belgien und Kanada finanzierte öffentlich-rechtliche Fernsehsender mit Sitz in Paris ist normalerweise weltweit in 200 Staaten über Satellit und Kabel zu empfangen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          TV5-Monde-Direktor Yves Bigot sprach am Donnerstag von einem „Angriff bisher unbekannten Ausmaßes“. Kommunikationsministerin Fleur Pellerin kündigte eine Krisensitzung aller großen Medienunternehmen an, um sich vor Hackerangriffen künftig besser zu schützen. Die ganze Regierung sei mobilisiert, sagte sie. TV5 Monde kann bislang nur vorproduzierte Sendungen ausstrahlen, wie Direktor Bigot mitteilte. Die Systeme des Senders seien erheblich beschädigt worden. Die Rückkehr zum Normalzustand könne Tage dauern. Bigot kündigte eine Strafanzeige wegen der Cyberattacke an.

          IS bedroht Familien von Soldaten

          Der Sender verlor auch stundenlang die Kontrolle über seine Internet-, Facebook-, und Twitterauftritte. Auf der TV5-Monde-Website wurden Propagandavideos des Islamischen Staats gezeigt. Die Hacker richteten einen Appell an den französischen Präsidenten Hollande, die französische Beteiligung an dem von Amerika geführten Militäreinsatz gegen den IS im Irak zu beenden. Dieser Einsatz sei „ein unverzeihlicher Fehler“ und „ein Krieg, der nichts nützt“. „Deshalb haben die Franzosen im Januar Geschenke bei Charlie Hebdo und im Hyper Casher bekommen“, schrieben die Hacker weiter.

          Am 7., 8. und 9. Januar hatten islamistische Terroristen in Paris bei Angriffen auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ und im jüdischen Supermarkt „Hyper Casher“ insgesamt 17 Menschen ermordet. „Soldaten Frankreichs, haltet Euch vom Islamischen Staat fern!“, hieß es nun auf der Facebook-Seite des Senders. Die Hacker drohten den Familien der Soldaten, die „sich an die Amerikaner verkauft“ hätten: „Ihr habt die Chance, das Leben Eurer Familie zu retten, nutzt sie!“

          Seit vergangenem September beteiligt sich die französische Armee an den von Amerika geführten Luftangriffen auf Ziele der Terrororganisation IS im Irak. Für die „Opération Chammal“ mobilisierte Frankreich nach Angaben des Verteidigungsministeriums 3200 Soldaten. Das französische Militäraufgebot im Kampf gegen den  IS ist inzwischen beachtlich: Neben dem  Flugzeugträger Charles de Gaulle sind insgesamt 33 Kampfflugzeuge vom Typ Rafale, Mirage und Super-Etendards, zwei Aufklärungsflugzeuge sowie zwei Fregatten, ein U-Boot und ein Versorgungsschiff im Einsatz.

          Die Hacker veröffentlichten auf der Facebook-Seite Dokumente, bei denen es sich nach ihren Angaben um Ausweise und Lebensläufe französischer Soldaten handelt, die an Einsätzen gegen den IS beteiligt sein sollen. Die Hacker gaben sich als Mitglieder der Terrorgruppe „CyperCaliphate“ (Cyber-Kalifat) aus. Diese Gruppe hatte im Januar das Twitter-Konto der amerikanischen Kommandozentrale CentCom gehackt. CentCom  ist das zuständige Regionalkommando der amerikanischen Armee für den Nahen Osten, Ostafrika und Zentralasien.

          Fabius: Angriff lange vorbereitet

          Von der Kommandozentrale wird auch der Einsatz gegen den IS im Irak und in Syrien koordiniert. Im Februar kontrollierte die Gruppe Cyber-Kalifat mehrere Minuten lang auch den Internetauftritt des amerikanischen Nachrichtenmagazins „Newsweek“. „Im Namen Allahs, des Allergütigsten, des sehr Barmherzigen, führt das Cyber-Kalifat weiter seinen Cyber-Dschihad gegen die Feinde des Islamischen Staates“, hieß es jetzt auf der Facebook-Seite von TV5 Monde.

          Der Hackerangriff begann nach Angaben von TV5 Monde am Mittwochabend um 22 Uhr. Am selben Tag hatte der Sender einen neuen Themenkanal eingeweiht, der über die französische Lebensart berichtet und im Nahen Osten und in Nordafrika ausgestrahlt wird. An der Zeremonie zum Sendestart beteiligte sich der französische Außenminister Laurent Fabius. Fernsehchef Bigot sagte, es gebe keinen Zusammenhang zu dem Hackerangriff. Dieser habe eine wochenlange Vorbereitung vorausgesetzt.

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