https://www.faz.net/-gq5-80knt

Innenminister de Maizière : Zahl der Asylbewerber aus dem Kosovo sinkt stark

  • Aktualisiert am

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (rechts) mit dem kosovarischen Innenminister Skender Hyseni in Berlin Bild: AFP

Mehr als 1000 Kosovaren kamen Anfang Februar nach Deutschland - jeden Tag. Inzwischen ist diese Zahl wieder stark zurückgegangen. Aber nicht genug, sagt Bundesinnenminister de Maizière.

          Nach dem massenhaften Andrang von Kosovaren in Deutschland in den vergangenen Wochen geht die Zahl der Asylbewerber aus dem Balkanstaat nun wieder zurück. Anfang Februar seien noch mehr als 1000 Kosovaren pro Tag in die Bundesrepublik gekommen, am 10. Februar sogar 1500, inzwischen seien es nur noch 175 täglich, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch nach einem Treffen mit dem kosovarischen Innenminister Skender Hyseni in Berlin. „Das ist immer noch zu viel, aber es ist ein gewaltiger Rückgang.“ Nun müsse daran gearbeitet werden, dass es dabei bleibe.

          Die Zahl der Asylbewerber aus dem Kosovo war in den vergangenen Wochen sprunghaft gestiegen. Im Januar hatten 3630 Menschen aus dem armen Balkanstaat einen Asylantrag in Deutschland gestellt - 85 Prozent mehr als noch im Dezember. Im Februar waren es laut Innenressort sogar mehr als 7000 Anträge gewesen.

          Hinzu kommen zusätzlich mehrere Tausend Kosovaren, die bereits in der Bundesrepublik sind, noch keinen Antrag gestellt haben, dies aber noch tun wollen. Insgesamt sind laut Innenministerium seit Jahresbeginn rund 25.000 Menschen aus dem Kosovo eingereist. Ihre Asylgesuche werden jedoch bis auf einzelne Ausnahmen abgelehnt, weil die Behörden Kosovaren nicht als politisch verfolgt ansehen.

          De Maizière sagte, die Entwicklung habe nicht nur die deutsche Seite besorgt, sondern auch die Regierung im Kosovo. „Das war für unsere beiden Staaten inakzeptabel.“

          Hyseni betonte, die Kosovaren liebten Deutschland. Deshalb hätten sich so viele auf den Weg in die Bundesrepublik gemacht. Außerdem sei die wirtschaftliche Lage in seinem Land nicht die beste. Die Menschen gingen aus wirtschaftlichen, nicht aus politischen Gründen nach Deutschland. „Kosovo ist ein sicheres Land“, betonte er

          Hyseni räumte aber ein, auch die Korruption sei ein großes Problem in seiner Heimat, wie auch in anderen Balkanstaaten. „Wir sind keine Engel im Kosovo.“ Das Problem der Korruption sei nicht kurzfristig zu lösen. Seine Regierung habe den Kampf dagegen aber ganz oben auf die Tagesordnung gesetzt. Es dürfe nicht sein, dass „Diebe und Idioten“ das Land zerstörten.

          Die Bundesregierung hatte auf verschiedenen Wegen versucht, gegen den Andrang aus dem Kosovo anzugehen - unter anderem mit Unterstützung bei Grenzkontrollen auf dem Balkan und mit Eilverfahren für Asylanträge von Kosovaren. De Maizière betonte, noch sei nicht sicher, dass der Rückgang der Asylzahlen von Dauer sei. Er halte aber zumindest schon seit einigen Tagen an und sei „keine Eintagsfliege“. Wichtig sei nun, die abgelehnten Asylsuchenden aus dem Kosovo nun auch schnell wieder in ihre Heimat zurückzuführen.

          Hyseni forderte Visa-Erleichterungen für sein Land, wie es sie auch für andere Länder der Region gebe. De Maizière äußerte sich dazu jedoch zurückhaltend. Mit Serbien habe man hier schlechte Erfahrungen gemacht: Die Zahl der serbischen Asylbewerber in Deutschland sei nach der Aufhebung der Visumpflicht vor wenigen Jahren deutlich gestiegen.

          Weitere Themen

          Mueller-Bericht veröffentlicht Video-Seite öffnen

          Trumps Russland-Affäre : Mueller-Bericht veröffentlicht

          Kurz vor der Veröffentlichung des Berichts von Sonderermittler Robert Mueller hat Justizminister William Barr Präsident Donald Trump erneut gegen Vorwürfe im Zusammenhang mit Russlands Rolle bei der Wahl 2016 verteidigt.

          Topmeldungen

           Es war nicht alles schlecht in der DDR. Es ist aber auch heute nicht alles schlecht.

          Ostdeutsche Wirtschaft : Warum es falsch ist, es allen recht machen zu wollen

          Im Osten fehlt es nicht so sehr an Arbeitsplätzen, sondern vor allem an Arbeitskräften. Doch die Politik will gleich alle Wähler beglücken, anstatt schon funktionierende Standorte noch attraktiver zu machen.
          Das Tanzverbot ist in Deutschland seit Jahren ein Streitthema.

          Tanzverbot oder nicht? : „Dieser Staat ist nicht getauft“

          Ist das Tanzverbot am Karfreitag noch zeitgemäß oder nicht? Diese Frage sorgt für heftige Debatten – auch in der Politik. FAZ.NET hat bei den Fraktionen im Bundestag nachgefragt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.