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Vatikan : Vatileaks, die zweite

  • -Aktualisiert am

Ruhe vor dem Sturm: Wieder steht der Klerus in der Kritik. Bild: Getty

Wieder stehen Mitarbeiter des Papstes vor Gericht, weil sie interne Dokumente rausgegeben haben. Die werfen kein schlechtes Licht auf Franziskus. Wohl aber auf den Klerus.

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          Am kommenden Dienstag eröffnet Papst Franziskus zwar das „Heilige Jahr der Barmherzigkeit“, den Angeklagten im zweiten „Vatileaks“-Prozess aber droht die ganze Härte des vatikanischen Strafgesetzes. Dafür soll Gerichtspräsident Giuseppe Dalla Torre sorgen, derselbe Richter, der 2012 schon den Kammerdiener von Benedikt XVI. verurteilt hatte.

          Wieder tagt das Gericht hinter den vergitterten Fenstern der Gendarmerie gegenüber vom Gästehaus des Papstes, dem obersten Rechtsherrn. Er hatte Ende Oktober das Verfahren gegen zwei „Enthüllungsjournalisten“ und drei Mitarbeiter seiner längst aufgelösten „Kommission für die Neuordnung der wirtschaftlichen und administrativen Angelegenheiten des Vatikans“ (Cosea) auf den Weg gebracht, als er die Verhaftung zweier Verdächtiger genehmigte: Seither sitzt der aus Spanien stammende Prälat und Ex-Cosea-Sekretär Lucio Ángel Vallejo Balda in einer Gendarmerie-Zelle.

          Seine Kommunikationsexpertin, die Italienerin Francesca Chaouqui, kam nach einer Nacht in einem Vatikankloster wieder frei, denn sie ist schwanger und versprach, der Justiz zu helfen. Wie diesen ehemaligen Cosea-Mitarbeitern wird auch Nicola Di Maio vorgeworfen, zu einer „kriminellen Vereinigung“ gehört zu haben, deren einziger Zweck es war, „vertrauliche Dokumente und Informationen rechtswidrig aus dem Vatikan“ zu schleusen. Sie zeigen, wie verschwenderisch und korrupt der Vatikan zumindest noch vor einem Jahr mit Geldern der Gläubigen umging.

          Kammerdiener Benedikts XVI. war involviert

          Auch Benedikts Kammerdiener Paolo Gabriele hatte Dokumente gestohlen, als er von 2011 bis 2012 massenhaft Briefe und Zeitungsschnipsel vom Schreibtisch Benedikts XVI. abräumte, kopierte und weitergab. Heute steht fest, dass der Journalist Gianluigi Nuzzi zu seinen Abnehmern gehörte. Damit konnte er den Bestseller „Seine Heiligkeit“ schreiben. Nuzzi kam damals aber nicht vor Gericht, denn bis dato war nur Diebstahl strafbar, und so verurteilte Dalla Torre allein den Kammerdiener zu drei Jahren Haft. Jetzt hat Nuzzi ein neues Buch geschrieben, „Alles muss ans Licht“, und wieder konnte er sich auf Diebe im Vatikan verlassen. Diesmal aber ist er als Empfänger der Ware auch selbst dran: Denn 2013 erließ Franziskus ein Gesetz, das die illegale Verbreitung und Annahme geheimer Informationen ins vatikanische Strafgesetzbuch aufnahm. Wie Nuzzi ist Emiliano Fittipaldi angeklagt, der mit „Avarizia“ (Geiz) einen ähnlichen Enthüllungsbeststeller veröffentlichte.

          Schon vor Prozessbeginn hatten Francesca Chaouqui und Prälat Valleja Balda gestanden, die Dokumente weitergegeben zu haben. Sie hatten allerdings gegeneinander ausgesagt: Francesca gab zu Protokoll, sie habe den Prälat davon abbringen wollen, Akten der Kommission an die Presse zu geben. Der hingegen bezeichnete Chaouqui als wichtigste Informationsquelle für Nuzzi und Co. Daraufhin warf Chaouqui dem Prälaten „phantasievolle Verleumdungen“ vor. Und nun gibt es auch noch einen amourösen Nebenschauplatz: Der zum enthaltsamen Leben verpflichtete Priester gab nämlich zu, er habe Francesca für kurze Zeit geliebt und einmal mit ihr geschlafen. Dann aber sei das schlechte Gewissen über ihn gekommen und er habe sie abgewiesen. In gekränktem Stolz mache sie nun ihn für alles verantwortlich.

          Einiges spricht für seine Sicht der Dinge. Denn der Prälat offenbart sich, während sie nur giftet. Überdies traf Frau Chaouqui während ihrer Zeit bei Cosea häufig internationale Pressevertreter, um über Probleme mit dem störrischen und korrupten Vatikan zu klagen. Das geschah gerne bei einem Wein in einer der besseren Bars von Rom. Ihr Mann Corrado Lanino soll außerdem als Informatiker dabei geholfen haben, Telefongespräche der Cosea-Mitarbeiter aufzuzeichnen. Auch diese Mitschnitte kehren in Nuzzis Buch wieder.

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